Stichwortsuche
Themen
Medienforum.Digital
22.06.2011 / 16:48
Vom Schutz kreativer Güter in der digitalen Welt
Copy and Paste statt Bonnie und Clyde
„Bonnie und Clyde waren gestern. Die Tastenkombination Copy und Paste ist das neue Gaunerpärchen des 21. Jahrhunderts.“ Nach Ansicht von Dr. Angelica Schwall-Düren ist das Internet eine gigantische Vervielfältigungsmaschine, mit nicht nur positiven Folgen für die Urheber. „Für Urheber muss sich Kreativität lohnen“, forderte die nordrhein-westfälische Medienministerin beim 23. Medienforum.NRW. Nur mit einem zeitgemäßen Lizenzrecht könnten Urheber im internationalen Wettbewerb bestehen, erklärte die SPD-Politikerin.
Leichter gesagt als getan: Die Teilnehmer der Panel-Diskussion waren sich jedenfalls nicht darüber einig, wie ein zeitgemäßes Lizenzrecht aussehen muss. Kerstin Jorna, stellvertretende Kabinettschefin des EU-Kommissars Michel Barnier, betonte, dass es im Bereich Filme-auf-Abruf (on-demand) besonders deutlich werde, wo die Defizite liegen. „Für die Anbieter ist es viel einfacher, US-Material zu kaufen als Europäisches“, sagte die Mitarbeiterin des für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständigen EU-Kommissars. Die Konsequenz: 68 Prozent der Filme, die in Europa geschaut würden, seien amerikanischen Ursprungs. Trotzdem wehre sich die EU-Kommission vehement gegen die Ansicht, das Urheberrecht sei ein Hindernis und müsse weg. „Das ist die falsche Antwort, gefragt ist jetzt die richtige Strategie“, sagte Jorna. Am 13. Juli werde EU-Kommissar Barnier ein Grünbuch vorstellen, in dem er Vorschläge zum Urheberrecht im audiovisuellen Bereich mache. „Wir wollen einen Rechtsrahmen schaffen, der kulturelle Vielfalt schützt und die Nutzung vereinfacht“, unterstrich die Juristin.
Die Lizenzsicherung für große Filmwerke funktioniert nach Ansicht von Prof. Dr. Mathias Schwarz gut. „Ich halte jedoch wenig davon, Filme gleich on-demand verfügbar zu machen“, erklärte der Leiter der Sektion Kino bei der Produzentenallianz. Wenn Kinofilme direkt auf Abruf verfügbar sind, finde sich in der Regel auf dem internationalen Markt kein Verleiher mehr, der den Streifen in die nationalen Kinos bringe.
Prof. Dr. Gerhard Pfennig sagte, die EU-Kommission versuche, den Geist in die Flasche zurückzudrängen. Seiner Ansicht nach sind viele Urheberrechtsprobleme erst dadurch entstanden, dass man die Verwertungsgesellschaften im europäischen Raum zerschlagen habe. Jeder könne sich – außer in Deutschland – hinstellen und sagen „Ich bin eine Verwertungsgesellschaft“, kritisierte Pfennig.
Dr. Christian Hauptmann, Deputy General Counsel der RTL Group, monierte, dass die Verwertungsgesellschaften nicht wüssten, wessen Rechte sie verträten. Das sei nach der Zerschlagung dieser Einrichtungen auch nicht verwunderlich, entgegnete Pfennig: „Sie können nicht sagen, wen sie nicht vertreten, sondern lediglich, wen sie noch vertreten.“
Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt (brema), sieht die Aufgabe der Regulierer in Deutschland beim Urheberrechtsschutz vor allem in der Überprüfung der Refinanzierbarkeit. „Wenn die Sender überteuerte Rechte kaufen müssen, können sie weniger in ihre Programme investierten. Und das wiederum gefährdet die Rundfunkvielfalt in Deutschland“, betonte Holsten.


