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Medienforum.Digital
01.07.2010 / 17:44
Virtuelle Welten und erweiterte Wirklichkeit
Wenn technische Hilfsmittel wie etwa Mobile-Media-Endgeräte Informationen über unsere unmittelbare Lebensumwelt bieten, die sonst nicht erkennbar sind, wird dies als erweiterte Wirklichkeit bezeichnet. Mit diesem Phänomen, das von der Fachwelt inzwischen international Augmented Reality (AR) genannt wird, setzten sich beim 22. medienforum.nrw Wissenschaftler und Trendforscher auseinander.
Mit den futuristisch anmutenden AR-Anwendungsmöglichkeiten, die vom Fraunhofer Institut entwickelt worden sind, scheint der US-Science-Fiction-Thriller „Minority Report“ ein Stück weit Realität zu werden. „Unser Ziel ist, die Maschinen und Tools so zu gestalten, dass sie den Menschen die Arbeit erleichtern“, erklärte Leif Oppermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer Institut in St. Augustin.
Zu den Anwendungsgebieten im Bereich Augmented Reality gehört zum Beispiel der Bereich Architektur, um Baupläne zu visualisieren, oder die Autoindustrie, um Armaturenbretter schon vor der Fertigung virtuell auf die Funktionalität hin testen zu können. Die Zahl der Einsatzmöglichkeiten, auf die Oppermann hinwies, scheint unbegrenzt: In der Ausstellungs-Technik sind AR-Anwendungen ebenso einsetzbar wie im Bereich Tourismus für Museums-Führer oder im Edutainment-Sektor. In der Industrie wird per AR das Sichtbild des Monteurs erweitert, um darüber Zusatzinformationen oder Arbeitsanweisungen zu vermitteln. Bei der Ausstellung „Gandhara – Das buddhistische Erbe Pakistans“ in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn konnten dank einer Stereo-3D-Projektion sogar die gesprengten Buddha-Skulpturen von Bamiyan visualisiert werden. Als eine weitere Anwendung ist im Fraunhofer-Institut eine virtuelle 3D-Realität unter Wasser entwickelt worden, von der Rettungs- und Marinetaucher profitieren können. Auch virtuelle Zeitreisen sind möglich: So schufen die Fraunhofer-Forscher etwa ein Spiel, um die seit langer Zeit verschollenen Kölner Heinzelmännchen wiederzufinden. So können sich echte Menschen am echten Paolozzi-Brunnen in Köln virtuell auf die Suche der Heinzelmännchen machen.
Zu einem kurzen Ausflug in die Zukunft lud Roman Weishäupl, Head of Global Scouting beim Trendforschungsinstitut Trend One, das Publikum des medienforum.nrw ein. Auf diesem virtuellen Kurztrip wurden sowohl aktive Kontaktlinsen mit Gesichtserkennungsfunktionen demonstriert als auch das Projekt Natal, hinter dem sich die neue Hardware Kinect zur Bedienung der Videospielkonsole Xbox 360 per Körpersteuerung verbirgt. „Das wird die Spiele-Industrie revolutionieren“, versicherte der Trendforscher.
Zu sehen war beim 22. medienforum.nrw auch die neue Augmented-Reality-Software, die Olympus entwickelt hat, damit Kunden über das Internet virtuell die neue Kamera „Pen E-PL1“ testen können. Zu diesem Zweck lädt der Nutzer auf der Webseite des Herstellers eine Kameramustervorlage herunter und hält sie vor seine Webcam, um mit der neuen Kamera virtuelle Probeaufnahmen machen zu können. Interaktiv ist auch ein von AT&T entwickelter Werbebanner, der den Betrachter an einem virtuellen Fußballspiel teilhaben lässt. Bereits Ende letzten Jahres weltweit für Furore gesorgt hat das US-Computermagazin Wired mit einem Augmented-Reality-Titelblatt, das ein Video mit Robert Downey jr zeigt.
Wachsender Beliebtheit erfreut sich auch der digitale Kompass Wikitude, der kostenlos über das World Wide Web auf ein Smartphone geladen werden kann und sofort eine Ortsbestimmung vornimmt. Schon jetzt für Smartphones verfügbar ist außerdem der Reality Browser Layar, der es ermöglicht, sich zum Beispiel bei der Suche nach einem Restaurant durch die fotorealistisch abgebildeten Straßen zu bewegen. Derartige Navigationsgeräte funktionieren inzwischen auch innen und erleichtern es auf einer Messe, den gewünschten Aussteller zu finden. Bereits perfektioniert worden ist diese Anwendung von Autoherstellern, welche die Kunden mit dem Navigationssystem direkt in ihr Autohaus lotsen, um sie dort zu einer Probefahrt mit dem angepriesenen Fahrzeug einzuladen.
„Die Virtual Experience bietet unendlich viele Anwendungen“, resümierte Weishäupl. Momentan versuchten viele Hersteller, neue Märkte zu erschließen. „Die Unternehmen können sich diese Anwendungen beim Fraunhofer Institut maßschneidern lassen“, berichtete Oppermann. Wichtig sei, ergänzte Trendforscher Weishäupl, dass den Kunden bei den AR-Anwendungen in der virtuellen Realität immer ein konkreter Vorteil geboten werde.


