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Deutscher Kamerapreis: Große Ehrung für Joseph Vilsmaier

Auch in diesem Jahr werden im Rahmen des medienforum.nrw wieder Bildgestalter von Filmen, Serien, Reportagen und Magazinbeiträgen mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet. Mehr als 400 Beiträge wurden eingereicht. Nur wer Ehrenkameramann des Jahres ist, steht dabei bereits fest: Joseph Vilsmaier.

Heimat, ein zentraler Begriff der deutschen Filmgeschichte, feiert ein Comeback. Während überall im Land insbesondere jüngere Filmemacher die Provinz als Schauplatz wiederentdecken, ehrt der Deutsche Kamerapreis mit Joseph Vilsmaier einen der wichtigsten deutschen Bild-Erzähler dieses Genres.

„Joseph Vilsmaier setzt als filmischer Erzähler bedingungslos auf die emotionale Kraft der Bilder. Am Set beherrscht er sein Werkzeug in der Manier des US-Kinos“, begründet Christoph Augenstein, Geschäftsführer des Deutschen Kamerapreises, die Auszeichnung Vilsmaiers mit dem Ehrenpreis.

Joseph Vilsmaier

Kameramann und Regisseur

Lange bevor Vilsmaier 1989 mit dem Millionenerfolg „Herbstmilch“ eine Regiekarriere begann und den Heimatfilm neu definierte, schuf er als Kameramann bleibende Geschichtsbilder: Die Mehrteiler „Ein Stück Himmel“ (1982) und „Rote Erde“ (1983) gehören zu den Sternstunden des deutschen Fernsehens.

So wie diese preisgekrönten Filme kollektive Erinnerungen in unvergessliche Bilder fassten, verbanden auch Vilsmaiers Regiearbeiten, bei denen er meist selbst die Kamera führte, historische Präzision mit emotionaler Wahrheit: „Rama Dama“ (1991) setzte den Münchner Trümmerfrauen ein Denkmal. „Stalingrad“ (1993) übersetzte ein nationales Trauma in bewegende Kinobilder. Die Roman-Adaption „Schlafes Bruder“ wurde 1995 sogar für den Oscar nominiert. Mit „Comedian Harmonists“ (1997) und „Marlene“ (2000) huldigte Vilsmaier den Unterhaltungsikonen der 1930er- und 40er-Jahre.

Dreharbeiten in Pakistan

Gemeinsam mit seiner Frau Dana Vávrová schuf Vilsmaier 2006 das bewegende Holocaust-Drama „Der letzte Zug“. Ein Talent für das Fantastische bewies der filmische Realist Vilsmaier dagegen, als er mit „Bergkristall“ (2004) Adalbert Stifters märchenhafte Erzählung in Bilder übersetzte. Vor Kurzem kehrte der Filmemacher zum Fernsehen zurück und realisierte 2008 für das ZDF „Die Gustloff“ einen spektakulären Film über die historische Schiffskatastrophe von 1945.

Auch im Jahre 2009 nimmt der Siebzigjährige noch jede Herausforderung an: Der Film „Nanga Parbat“, ein Projekt mit Reinhold Messner, führte ihn vor Kurzem nach Pakistan: „Wir sind auf 7.100 Meter hoch, höher ging es nicht. Da haben wir drei, vier Kameras postiert und sieben bis acht Stunden am Tag Wolkenbilder gemacht.“

Keine Sehnsucht nach Hollywood

Der 1939 in München geborene Vilsmaier begann seine Ausbildung bei der Firma Arnold & Richter – besser bekannt als ARRI – 1954 in den Bereichen Kopierwerk und Kameratechnik. Zeitgleich begann er ein Musikstudium am Münchner Konservatorium. Ein Angebot der Bavaria Film eröffnete ihm den Weg zum Kameraassistenten und später zum Kameramann. Ab 1978 arbeitete er freischaffend.

Obwohl seine Filme stets den höchsten visuellen Standards des großen Kinos genügen, zog es Joseph Vilsmaier nie in amerikanische Traumfabriken: „Ich möchte nicht nach Hollywood! Ich bin lieber in Bayern. Mit Hollywood kann ich überhaupt nichts anfangen, ich mag auch die Mentalität nicht! Ich bin ein Bayer und bleibe hier in Bayern“, erklärte er in einem Interview.

Vilsmaiers engste künstlerische Mitarbeiterin war seine jüngst verstorbene Ehefrau Dana Vávrová, die er bei den Dreharbeiten zu „Ein Stück Himmel“ kennenlernte und 1986 heiratete. Sie spielte auch die Hauptrolle in seinem Regiedebüt „Herbstmilch“, mit dem Vilsmaier einen der größten deutschen Kinoerfolge der 80er-Jahre verbuchen konnte. Um „Herbstmilch“ gegen alle Widerstände drehen zu können, nahm das Ehepaar einen Privatkredit von mehr als 500.000 D-Mark auf: „Wir wollten das Geld in zehn Jahren zurückgezahlt haben“, erinnerte sich der Filmemacher später. „Aber dann hat es nur zwei Wochen gedauert, bis der Scheck von der Produktionsfirma kam.“

Wer die weiteren Kamerapreise erhält, wird erst bei der Preisverleihung am 21. Juni 2009 in der Kölner Vulkanhalle offiziell bekannt gegeben.

Weitere Informationen im Internet unter: www.kamerapreis.de


Daniel Kothenschulte, April 2009