Teleshopping-Kanäle melden auch weiterhin Rekord-Ergebnisse. Die Branche setzt in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro um und erzielt zweistellige Wachstumsraten. Am Erfolg von QVC & Co. wollen immer mehr Unternehmen teilhaben. Marktforscher rechnen mit bis zu vierzig weiteren Anbietern. 

Mit einem Marktanteil von etwa sechzig Prozent ist QVC in Deutschland der erfolgreichste Teleshopping-Kanal. Das Düsseldorfer Tochterunternehmen des amerikanischen Medienkonzerns Liberty Media erzielte 2005 etwa 629 Millionen Euro Umsatz. Die Umsatzrendite von QVC lag in den vergangenen Jahren stets deutlich über zehn Prozent. Zehn Jahre nach seinem Start beschäftigt das Unternehmen in Deutschland etwa 3.500 Mitarbeiter und hat in Düsseldorf (Zentrale), Bochum und Kassel (Callcenter) sowie Hückelhoven (Hochregallager) mehr als 300 Millionen Euro investiert. 

 

Seit 2003 sendet QVC rund um die Uhr und hat mehr als 18.000 Produkte im Sortiment. Täglich gehen durchschnittlich mehr als 70.000 Anrufe bei den Callcentern in Bochum und Kassel ein, die meisten von weiblichen Zuschauern (ca. siebzig Prozent) im Alter zwischen 36 und 55 Jahren. Knapp die Hälfte des Umsatzes erzielt QVC mit Haushaltsartikeln, gefolgt von Schmuck, Beauty- und Modeprodukten. Inzwischen werden sogar sperrige Waren wie Möbel verkauft. 

Angeboten werden vor allem exklusive Produkte, die es kaum woanders zu kaufen gibt, was den Preisvergleich erschwert und möglichst viele Kunden zur Bestellung vom Sofa aus animieren soll. Versprochen werden Qualität (Quality), Wert (Value) und Bequemlichkeit (Convenience). Schließlich bilden die Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe für diesen Dreiklang auch den Sendernamen QVC. Jeder der täglich präsentierten etwa 200 Artikel wird bis zu zwölf Minuten lang erklärt. Weitere Auskünfte sind per Kunden-Hotline möglich. Für alle Produkte besteht ein vierwöchiges Rückgaberecht.

 

Weiteres Wachstum erwartet 

Etwa jeder dritte TV-Zuschauer zappt per Fernbedienung gelegentlich in die virtuellen TV-Schaufenster. Jeder sechste Deutsche, so ergab eine GfK-Umfrage, hat schon einmal via Shopping-Kanal eingekauft. Bestellt wird per Telefon oder Internet. Und der Trend zum Tele-Kommerz nimmt zu. QVCChef Ulrich Flatten prognostizierte während des 18. medienforum.nrw 2006 in Köln, dass in absehbarer Zeit dreißig bis vierzig Verkaufsprogramme auf den TV-Bildschirmen zu sehen sein werden. Konkurrent Home Shopping Europe (HSE 24) legte Ende 2005 eine Goldmedia-Studie vor, die bis 2010 in Deutschland ein Umsatzwachstum von 1 auf 1,6 Millionen Euro voraussagt. 

HSE 24 – im Oktober 1995 noch vor QVC unter dem Namen H.O.T. gestartet – war bis 2001 die Nummer eins im deutschen Teleshopping, schwächte sich dann aber durch eine gescheiterte Expansion (Großbritannien, Frankreich). Nach überstandenem Manager- und Gesellschafterwechsel – Thomas Kirch, Georg Kofler und Karstadt- Quelle zogen sich zurück – brachte Barry Dillers Interactive Corp. das Ismaninger Unternehmen wieder auf Kurs. HSE 24 liegt bei Umsatz und Gewinn hinter QVC auf Platz zwei des deutschen Branchen-Rankings. Außer QVC und HSE 24 buhlen bundesweit vor allem RTL Shop, der Schmuckkanal, Gems TV und der Auktionskanal 1-2-3.TV um Konsumenten und sehen sich selbst kurz vor dem Erreichen der Gewinnzone. 

 

Prominente preisen Produkte an 

Bis zum ersten Impuls-Kauf, so zeigen Umfrage-Ergebnisse, schauen sich Neu- Teleshopper durchschnittlich fünfzig Stunden lang an, was via Fernsehen angepriesen wird. Um Programme und Produkte attraktiver zu machen, werben häufig auch Prominente um die Kunden. Fußball-Star Pelé preist Sportartikel an, Uschi Glas und Christiane Kaufmann versprechen ewige Jugend dank neuartiger Kosmetik, Anouschka Renzi lobt Taschen und Uri Geller goldene Preziosen. Vom heimischen Sofa aus mutet die TVEinkaufswelt schön übersichtlich an – während draußen in Discount- und Fachmärkten ein intransparentes Chaos kaum vergleichbarer Qualitäten und Preise herrscht, bietet die heimelige Atmosphäre im Fernsehstudio eine wohlsortierte Ordnung. Das lässt die Kauflaune steigen und schließlich auch die Umsätze und Gewinne in den Teleshopping- Bilanzen. 

Dr. Matthias Kurp

20.03.2007 | Beitrag erstellt von redaktion in television
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Tags: werbung, finanzierung Views: 1427

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