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Medienforum.TV
21.06.2011 / 08:26
Das Runde muss ins Eckige
Der Poker um die Bundesligarechte ist eröffnet
Noch in diesem Jahr sollen die TV-Fernsehrechte für alle wichtigen Fußball-Großereignisse vergeben werden. Die Fernsehrechte für die Übertragung von Bundesligafußball sind zwar noch für zwei Jahre bis zum Ende der Saison 2012/2013 vergeben, aber schon heute äußerst begehrt. Welches Vermarktungsmodell in der Zeit danach von der Deutschen Fußballliga (DFL) befürwortet wird, ist völlig offen. Ein aktueller Entscheid des Bundeskartellamts macht sogar das völlig neue Modell der Highlight-Internetverwertung ab 19 Uhr bei gleichzeitiger Free-TV-Verwertung erst ab 21.45 Uhr möglich. Damit bliebe die ARD-Sportschau samstags ohne Bilder von der Fußball-Bundesliga und das bislang gültige Verwertungsmodell wäre Vergangenheit. Während des 23. Medienforum.NRW diskutierten DFL-Vertreter und Senderverantwortliche über die zukünftige Vermarktung der Fußballrechte.
Eins steht außer Zweifel: Die Fußball-Bundesliga ist ein attraktives TV-Produkt. Sie erhält höchste Aufmerksamkeitswerte, und sie ist familientauglich geworden. Auch wenn das Vorstandsmitglied der Deutschen Fußballliga, Heribert Bruchhagen, zugab, dass der Wert der Markenrechte schwer zu bewerten sei, steht für die DFL außer Frage, dass sich die Premiumqualität des Produkts in einer substantiellen Wertsteigerung der TV-Rechte niederschlagen müsse.
Zu Zahlen und konkreten Angeboten des Preis-Pokers wollte sich keiner der anwesenden Programmverantwortlichen äußern. Aus Sicht des Sportkoordinators der ARD, Axel Balkausky, ist das Ende der Sportschau aber noch lange nicht ausgemacht. Für ihn bedingt der Erfolg der Sportschau auch den Erfolg der Fußball-Bundesliga mit. So brächten die hohen Einschaltquoten der Sportschau den Vereinen auch höhere Sponsoreneinnahmen. Das könne sich bei einem anderen Verwertungsmodell mit weniger Reichweite ändern. Die Fokussierung auf die reine Internet-Verwertung sei dagegen für die ARD keine Option.
Für den Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland ist der Bundesliga-Fußball ein notwendiger Programminhalt, um die Wachstumsziele zu erreichen. Carsten Schmidt, Vorstand Sport und New Business von Sky, will deshalb keine Kompromisse im Live-Bereich beim Fußball machen. Dazu seien „plattformneutrale Rechte“ für Sky notwendig. Bei Sky betrachte man außerdem den Verbreitungsweg per Smartphone-Applikation inzwischen mit Interesse, dagegen seien 3D-Übertragungen von Fußballspielen ein mittelfristiges Marketing-Instrument und kein Grund, mehr Geld für die Rechte zu zahlen.
Heribert Bruchhagen unterstrich die Bedeutung von Sky für die Fußball-Bundesliga. Die DFL betrachte die Konferenzschaltung bei Sky als unverzichtbaren Bestandteil des Gesamtpakets der TV-Rechte. Sky habe der Fußball-Bundesliga geholfen, mehr Familien zu erreichen.
In den Bieterwettstreit um die TV-Rechte könnte auch die Mediengruppe RTL einsteigen, wie deren Sportdirektor Manfred Loppe berichtete. Allerdings betrachte man die Entwicklung „entspannt“, weil es in der Mediengruppe keine Notwendigkeit gebe, große Investitionen zur Quotensteigerung zu tätigen. Eine Entscheidung hänge ganz davon ab, ob sich die verlangte Summe refinanzieren ließe.
Durch die Entscheidung des Bundeskartellamts bekommt auch das Interesse von Yahoo an Verwertungsrechten mehr Gewicht. Der stellvertretende Geschäftsführer und Commercial Director von Yahoo, Heiko Genzlinger, sieht die Fußball-Bundesliga im Internet schwach aufgestellt. Es gebe keine Adresse, die für User als Marke bei der Suche nach Spielzusammenfassungen bekannt sei. In Großbritannien sei das inzwischen anders, dort werde die Video-Zusammenfassung aller Spiele pro Wochenende bis zu vierzig Millionen Mal gestreamt. Yahoo könne sowohl die Erfahrung mit Sportberichterstattung aus den USA und Großbritannien mit einbringen als auch die Kooperationen mit der Süddeutschen Zeitung und AOL. Dennoch bleibe die alles entscheidende Frage, ob sich die getätigten Investitionen refinanzieren ließen? Erst wenn darüber noch weiter geredet worden sei, könne bei Yahoo entschieden werden. – Ein wenig machten die Männer auf dem Podium schon den Eindruck, als wolle sich beim Pokern noch niemand in die Karten schauen lassen.


