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Konvergenzkongress


21.06.2007 / 13:20

Computerspiele für alle (TV-)Zielgruppen

Die Computerspiele-Industrie hat ein großes Marktpotenzial, wenn es die Hersteller schaffen, verstärkt neue Zielgruppen wie Frauen und ältere Spieler an sich zu binden. Zu dieser Einschätzung kamen die Teilnehmer der abschließenden Veranstaltung am zweiten Veranstaltungstag des Gamesday2007 beim 19. medienforum.nrw.

Jarmo Eskelinen

Zusätzliche Perspektiven ergeben sich demnach bei der Gestaltung und Verbreitung von elektronischen Spielen auch im Zusammenwirken mit dem Fernsehen. „Die Grenzen zwischen diesen Medien werden immer stärker verwischen”, erklärte Prof. Philipp Scherf, Strategic Business Development Executive bei IBM Deutschland. 

Nachdem Jarmo Eskelinen vom finnischen Dienstleister Forum Virium zunächst in einer Keynote zum stärkeren Ideenaustausch bei der Entwicklung von interaktiven Inhalten aufgerufen hatte, blickten Branchenexperten in die Zukunft der Spielkonsolennutzung. Dirk Primbs, Entwickler bei Microsoft Deutschland, zeigte die Möglichkeiten auf, die sein Unternehmen den Nutzern für eigene Entwicklungsaktivitäten bieten wolle. Zum Konzept gehörten die Plattform .NET und XNA, ein Framework für die Entwicklung und Simulation von Spielen. Dr. Bernd Fakesch, General Manager von Nintendo Deutschland, betonte, dass sein Unternehmen „einfachen Spielspaß für alle” bieten wolle. Bei Nintendo seien die Konsolen Wii und das tragbare Pendant DS Teile dieser Strategie. Die Hardware müsse alle Zielgruppen ansprechen und leicht zu bedienen sein. Dies sei insbesondere im Hinblick auf die Gewinnung älterer Zielgruppen von Bedeutung, sagte Fakesch.

Aus Sicht der Werbeindustrie besitzt der Bereich Games ebenfalls hohes Potenzial. „Für jeden Werbungtreibenden ist es ein Traum, ein Umfeld zu finden, in dem Menschen derart involviert sind, dass sie ganze Nächte lang durchspielen”, erklärte Thomas Zervos, strategischer Planer der Jung von Matt/basic GmbH. Das bisweilen schlechte Image der Computerspiele, das durch pauschale Diskussionen über Gewaltinhalte forciert werde, könne er nicht nachvollziehen. „Bei einer Fernsehserie wie ,CSI’ sind die Werbeblöcke ausgebucht, obwohl der Inhalt alles andere als harmlos ist”, befand Zervos.

Auch Jürgen Keil vom Markt- und Medienforschungsinstitut ifm Wirkungen und Strategien rief zu einer positiveren Einstellung gegenüber Computerspielen auf. „Kulturpessimismus ist nicht angebracht“, sagte der Psychologe. Kinder nutzten Games nicht nur als „sinnloses Zerstreuungsmedium“, sondern könnten damit auch wichtige Fähigkeiten erlernen bzw. stärken.

Die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema „Games und Broadcast“ leitete Gerhard Müller, Partner bei Ernst & Young, mit einigen grundlegenden Gedanken ein. Die interaktive Vernetzung von Fernsehinhalten und Computerspielen werde bereits genutzt, auch wenn die technologischen Möglichkeiten noch nicht optimal seien. Als Beispiel nannte Müller die RTL-Show „Der große Deutsch-Test“, bei der interessierte Nutzer parallel die Möglichkeit zum Mitspielen im Internet erhalten.

Für das Zusammenspiel der Branchen Games und Fernsehen erwarteten beim Gamesday2007 alle Experten ein großes Potenzial. Obwohl man für das Wii-Angebot unter anderem einen News- und einen Wetterkanal präsentiere, verstehe man sich „überhaupt nicht als Konkurrenz zu den klassischen Nachrichtensendungen“, sagte Stefan Gundelach, Pressesprecher von Nintendo Deutschland. „Wenn man junge Menschen ansprechen will, muss man ihnen auch Games anbieten“, sagte Georg Broxtermann, Head of Games bei der ProSiebenSat.1-Tochtergesellschaft SevenOne Intermedia. Deshalb habe der TV-Konzern auch eine eigene Computerspiel-Division gegründet. Dies bedeute aber nicht, dass man den Bereich Games als Alternative zum TV-Geschäft aufbauen wolle.

Trotz aller Erkenntnisse fällt der Blick in die Zukunft des Themas „Games und Broadcast“ noch schwer, wie auch auf dem Experten-Podium deutlich wurde. „Wir stehen noch am Beginn einer Entwicklung“, befand Stephan Brechtmann, Direktor der Home & Entertainment Division bei Microsoft Deutschland. „Die Welten Games und TV passen ganz wunderbar zusammen, wenn sie offen füreinander sind“, kommentierte Guido Baumhauer, Director Distribution bei der Deutschen Welle. Nach Ansicht von Jens Hilgers, Chef von Turtle Entertainment und Giga Digital Television, sind die Computerspiele schon jetzt ein Leitmedium. Auch das Fernsehen könne von diesem Bereich profitieren. „Games bieten neue Möglichkeiten, Inhalte zu produzieren, und können auch neue Geschichten für das TV liefern“, sagte Hilgers.


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