Seiten zum Thema

STANDPUNKT // JOURNALISMUS IM BERMUDA-DREIECK

Von Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl, Professor für Journalismus und Medienmanagement/Leiter des European Journalism Observatory an der Universität in Lugano

Die Krise des Journalismus habe „das Ausmaß einer Kernschmelze“ erreicht, schrieb Walter Isaacson, Ex-Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Time kürzlich in einer Titelgeschichte.

Zum Standpunkt

HINTERGRUNDINFO // STIFTUNGEN FINANZIEREN QUALITÄTSJOURNALISMUS

Angesichts der rigiden Sparkonzepte von US-Zeitungen bleibt den Journalisten immer weniger Zeit für aufwendige Recherchen und gut geschriebene Hintergrundberichte. Allerdings existieren in den USA einige Organisationen und Institutionen, die Recherchejournalismus und Ausbildung gezielt unterstützen.

Die Knight Foundation in Miami hat seit 1950 mehr als eine Milliarde Dollar in die Journalistenausbildung investiert. Im vergangenen Jahr gründete das Stifter-Ehepaar Marion und Herbert Sandler die gemeinnützige Organisation Pro Publica, der für zehn Jahre hundert Millionen Dollar zur Verfügung gestellt wurden. Bei Pro Publica arbeiten etwa zwanzig Journalisten, die Zeitungen exklusiv recherchierte Hintergrundartikel anbieten (siehe Artikel „Investigative Recherchen als Restgröße“ im medienforum.magazin 2/2008).

Das gemeinnützige Poynter Institute betreibt eine Journalistenschule mit etwa sechzig Mitarbeitern und gibt im Großraum Tampa (Florida) die Zeitung St. Petersburg Times heraus, deren Website Politifact.com im April den Pulitzerpreis erhielt. Auch die Zeitungen Anniston Star in Alabama und New Hampshire Union Leader gehören Journalistenschulen.

Seit November stellt die Chicago News Cooperative als Non-Profit-Organisation, die unter anderem von der milliardenschweren John D. and Catherine T. MacArthur Foundation unterstützt wird, zweimal pro Woche Lokalseiten aus Chicago für die New York Times zur Verfügung. Die Inhalte stammen von ehemaligen Journalisten der insolventen Chicago Tribune.

Die renommierte Columbia University School of Journalism schlägt vor, Zeitungen als gemeinnützig anzuerkennen, um so Spender anzulocken. Außerdem könne die Federal Communication Commission (FCC) einen Fonds für Lokaljournalismus finanzieren.