Browser-Spiele: Online-Welten für sparsame Spieler
Kostenlose Browser-Spiele revolutionieren den Games-Markt. Immer mehr Nutzer suchen nach preiswerten Alternativen zu teuren PC- oder Videospielen und werden online fündig. Das Angebot reicht vom einfachen Brettspiel bis zur komplexen Online-Multiplayer-Simulation. Alle Spieler übernehmen die Rollen von Dorf-Häuptlingen. Als Chefs von Germanen-, Römer- oder Gallier-Siedlungen müssen sie versuchen, ihre Dörfer auszubauen, Rohstoffe zu gewinnen, Handel zu treiben, Allianzen zu schmieden oder Kriege zu gewinnen.
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Schließlich kann in einer virtuellen Welt der Antike sogar der Aufbau eines Imperiums gelingen. „Baue Dörfer, führe Kriege oder handel friedlich mit deinen Nachbarn“, fordert die Homepage Travian.de wörtlich auf. Travian ist ein sogenanntes Browser-Spiel, ein sehr erfolgreiches sogar.
Hohe Wachstumsraten
Browser-Spiele lassen sich ohne zusätzliche Soft- oder Hardware direkt im Fenster von Internet-Browsern wie Explorer oder Firefox spielen. Die Nutzung ist gratis. Bezahlt werden muss lediglich für Premium-Funktionen, die hinzugekauft werden können und es den Nutzern erleichtern, schwierige Aufgaben im Spielgeschehen zu bewältigen. Die Rechnung scheint aufzugehen: „Browser-Spiele-Anbieter melden schwarze Zahlen und hohe Wachstumsraten“, meldete das Handelsblatt im März. Das gilt auch für Travian. Das Online-Game erzielt Monat für Monat knapp eine Milliarde Page Impressions und fasziniert mehr als 165.000 Mitspieler. Weltweit erreicht das Aufbaustrategiespiel inzwischen etwa 4,3 Millionen Fans in 43 Sprachen. „Du spielst mit tausenden realen Spielern in einer persistenten antiken Welt“, lockt die Homepage neue Dorf-Häuptlinge an.
Das erst vor vier Jahren von Gerhard und Siegfried Müller gegründete Unternehmen Travian Games ist in den vergangenen beiden Jahren rapide gewachsen und beschäftigt mittlerweile etwa siebzig Angestellte. Während Electronic Arts, der Marktführer bei den Videospielen, im vergangenen Jahr 454 Millionen Dollar Verlust machte und der Umsatz mit PC-Spielen seit Jahren sinkt (siehe Tabelle „Marktentwicklung 2006 – 2008“), erobern Browser-Games erfolgreich neues Terrain. Es gibt sie als Strategie- oder Sportspiele, als Rollenspiel oder unterhaltsame Wirtschaftssimulation. Zu den beliebtesten Varianten des Genres zählt zum Beispiel der Fußballmanager.
Strategie- und Aufbausimulation
Während die ersten Browser-Games noch einfache Brettoder Kartenspiele waren, bieten neuere Versionen eine Kombination aus Strategie- und Aufbausimulation. Aktuelle Spiele haben Titel wie Die Stämme (Entwicklungsspiel), KartellWar (Gangster-Strategiespiel), Wurzelimperium (Garten-Simulation) oder Kapiland (Wirtschaftssimulation). Zu den bekanntesten Games gehören auch die Fantasy-Rollenspiele Xenyoo- DW, Xhodon und Shaiya. Bei aufwendigen Angeboten bilden sich oft große Communitys, in denen Nutzer chatten und Erfahrungen austauschen können.
Im Vergleich zu komplexen Online-Spielen wie zum Beispiel World of Warcraft wirkt die Grafik der meisten Browser-Games eher bescheiden, ermöglicht die Nutzung aber auch mit älteren Computern, die nicht über modernste Prozessoren und Grafikkarten verfügen. Das ermöglicht eine relativ große Nutzerschicht. Die asynchrone Datenübertragung zwischen Browser und Server (Ajax) sowie Java- und Flash-Anwendungen lassen zunehmend aber auch Echtzeit-Strategiespiele, Renn- oder Action-Spiele mit aufwendigerer Grafik zu.
Gameforge lockte Investoren an
Weil die deutsche Entwicklerszene im Games-Bereich ohnehin stärker auf PC- als auf Videospiele konzentriert ist, erzielen außer Travian auch andere Produkte made in Germany weltweite Achtungserfolge. So erreichen beispielsweise die Browser-Spielwelten des Karlsruher Unternehmens Gameforge weltweit mehr als 15 Millionen aktive Spieler, von denen pro Tag etwa 3,7 Millionen aktiv sind.
Je länger bei Multiplayer-Online-Spielen Teilnehmer im Netz bleiben, desto eher neigen sie dazu, sich Zubehör zu kaufen. Gameforge machte so im vergangenen Jahr mit ungefähr 250 Mitarbeitern etwa sechzig Millionen Euro Umsatz. Aufgrund solch beeindruckender Bilanzdaten beteiligte sich vor Kurzem die kalifornische Venture-Capital-Firma Accel Partners, die auch Geld in Facebook investierte, an dem Unternehmen aus Karlsruhe. Gameforge-Produkte tragen Fantasienamen wie Metin 2, Kings Age oder Legend Online. Das Spiel Ikariam gewann bei der Vergabe des Ersten deutschen Computerspielpreises den ersten Platz in der Kategorie „Bestes Browsergame“. Die Jury lobte eine brillante Grafik und die Spielidee, die auf einer Kombination aus Handel, Diplomatie und Kriegskunst basiert. Ikariam wird längst von mehr als 100.000 Online-Nutzern gespielt.
Druck auf die Verkaufspreise
Während ein Video- oder Computerspiel 2008 in Deutschland durchschnittlich 28,15 Euro kostete – bei Konsolenspielen stieg der Preis sogar auf 39,78 Euro –, müssen Fans von Browser-Spielen nur dann ein oder zwei Euro zahlen, wenn sie zusätzliche Extras für das Agieren in der virtuellen Welt ergattern wollen. Einige Anbieter von Konsolenspielen haben auf die Nullpreis-Neulinge der Browser-Games mittlerweile reagiert und bieten Entwicklungen an, die ebenfalls für nur wenige Euro zu haben sind.
Das über den Playstation-Store erhältliche Spiel Noby Noby Boy kostet nur 3,99 Euro, bietet aber viel Unterhaltung mit einem kleinen, aber gefräßigen Wurm. Auch Playstation-3- Spiele wie Flower (7,99 Euro) zeigen, dass Videospiele kein teurer Zeitvertreib sein müssen, aber durchaus fantasievolles Entertainment bieten können.
Mehr als 350 kostenlose Online-Spiele
Um sich teure Spiele-Software leisten zu können, tauschen immer mehr Kunden gebrauchte Games gegen neue ein. Die Videospiel- Handelskette Gamestop geht davon aus, dass in den USA bereits etwa zehn Prozent der Neukäufe durch den Eintausch alter Spiele finanziert werden. Anfang März hat auch Amazon damit begonnen, in den USA gebrauchte Videospiele aufzukaufen und Kunden im Gegenzug Einkaufsgutscheine für neue Software anzubieten. In Deutschland werden gebrauchte Spiele für Computer und Konsolen über Online-Plattformen wie Trade a Game gehandelt.
Wer aktuelle Konsolenspiele wie Far Cry 2 oder Halo Wars neu erwerben will, muss dafür etwa fünfzig Euro zahlen. Kein Wunder, dass sich viele nach preiswerteren Alternativen umsehen: Die Homepage Browsergame-Index.de listet mehr als 350 Rollen- oder Strategiespiele auf, die online gratis gespielt werden können. Unter der Web-Adresse kostenlose-bowsergames.de finden Nutzer mehr als 200 Gratis- Browser-Games.
Big Point für Bigpoint
Als das weltweit größte Portal für Browser-Spiele gilt die Plattform Bigpoint.com. Das gleichnamige Hamburger Unternehmen zählt nach eigenen Angaben mit mehr als sechzig Millionen registrierten Nutzern zu den „Top-3-Gaming-Portalen der Welt“ und bietet mehr als dreißig Online-Games verschiedener Genres. Das erfolgreiche deutsche Online-Spielportal wurde im Juli 2008 vom US-Fernsehkanal NBC Universal und GMT Communication Partners für hundert Millionen Dollar gekauft. Der Chef und Mitgründer von Bigpoint, Heiko Hubertz, erwartet für dieses Jahr einen „dreistelligen Millionenumsatz“. Im täglichen Kampf um die Online-Spieler rüsten sich also neue Konkurrenten für EA, Ubisoft & Co.




