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Pay-TV hat eine Chance

Mehr als zehn Jahre nach dem Start von digitalem Pay-TV in Deutschland hadern wir immer noch mit einem veritablen Imageproblem. Die Wurzeln liegen unter anderem in den Anfangsfehlern, als man eine schöne neue Fernsehwelt angepriesen und technische Probleme an den Kunden verkauft hatte.

Dr. Andreas Weinek
Dr. Andreas Weinek, Geschäftsführer der The History Channel Germany GmbH & Co. KG

Der alte Marketingfehler, dass sich ein nicht einlösbares Versprechen irgendwann zum Bumerang entwickelt, hat sich einmal mehr bewahrheitet. Dazu kamen Kommunikationsschwächen, die sich bis heute wie ein roter Faden hartnäckig quer durch die verschiedenen technischen Plattformen ziehen. Anstelle der Vielfalt der Sendermarken wird immer wieder ausschließlich die Technik in den Mittelpunkt der Kommunikation gestellt. Und auch, dass die Presse dazu das Ganze immer noch „liebevoll“ als Bezahlfernsehen tituliert, ganz so als bekäme man öffentlich-rechtliches und privates Fernsehen frei Haus geliefert, trägt nicht gerade zur Steigerung der Reputation bei.

Was also tun? Die jüngst von Marcel Reich-Ranicki angekurbelte Debatte um die Qualität hat gezeigt, dass es diesbezüglich einige Defizite im TV gibt, die von den quotenabhängigen Unternehmen nicht oder nicht mehr abgedeckt werden. Im Spartenfernsehen, und hier vor allem im Doku-Segment, findet man jedoch reichlich Programm, das auch gehobenen Ansprüchen gerecht wird. Und zwar 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche.

Nur: Wer sagt es dem Endverbraucher? Marketingbudgets in der Nische sind naturgemäß nicht sehr üppig ausgestattet, die Konkurrenz im Free-TV ist im direkten Vergleich übermächtig – immer noch. Doch Anzeichen, dass die Plattformbetreiber die Menetekelphase überwunden haben und zu Gegenstrategien greifen, gibt es: Der Stellenwert von Dokumentationskanälen wird erkannt und gefördert.

Man blickt ins Senderportfolio, schreitet zur Flurbereinigung, bündelt, rebrandet, restrukturiert. Gebannt schaut man auf den Klassenprimus und hofft, dass der mit seiner mehr als zehnjährigen Erfahrung zugkräftig genug agiert, die anderen mitzunehmen in die digitale Zukunft.

Pay-TV hat eine Chance. Auch und gerade in der Krise kann es beweisen, dass man, vom Werbemarkt weitestgehend unabhängig, qualitativ hochstehendes Programm abliefern kann. Der Kunde wird’s danken, wenn er denn irgendwann einmal erfährt, dass und wo es gibt, was er sich wünscht. Trotz der zähen Entwicklung sind und bleiben wir Contentprovider positiv und wünschen allen Bestrebungen seitens der Plattformen, Pay-TV als wichtiges Element des Medienkonsums der Zukunft zu etablieren, den gebührenden Erfolg.