13.02.2012 | Beitrag erstellt von in film

Das in den USA sehr verbreitete Crowdfunding von Medien- und Kulturprojekten gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung. Durch die sogenannte Schwarmfinanzierung lässt sich Fremdkapital für Projekte beschaffen, indem Internetnutzer zur finanziellen Beteiligung aufgerufen werden. Der Begriff Crowdfunding wurde vor etwa sechs Jahren geprägt, als erstmals Musikalben durch Fans vorfinanziert wurden. Mittlerweile lässt sich auf ähnliche Weise auch Geld für Filme beschaffen.
Filmproduktionen verschlingen in der Regel Millionen-Summen, die zunächst – meist mit staatlicher Unterstützung – vorfinanziert werden müssen. Beim Crowdfunding soll nun ein Teil des Publikums schon vor dem Kinostart zur Kasse gebeten werden, um so die Kapitalausstattung der Filmemacher zu verbessern. Dabei helfen oft Tausende Zuschauer mit kleinen Beträgen die Kasse aufzubessern. Ende 2011 konnte dadurch erstmals eine größere Summe für ein deutsches Kino-Filmprojekt gesammelt werden: Im Dezember erhielten die Produzenten der ProSieben-Serie „Stromberg“ eine Million Euro von Unterstützern, Spendern und Investoren, die online über die Website Stromberg – der Film geworben wurden.
Stromberg-Rekord: Eine Million in sieben Tagen
Nach nur einer Woche hätten mehr als 3.000 Stromberg-Fans das Kapital zur Verfügung gestellt, teilte die Kölner Produktionsfirma Brainpool TV mit, die eigentlich ein ganzes Quartal fürs Crowdfunding einkalkuliert hatte. Je nach ihrem finanziellen Engagement – Interessenten konnte Anteile im Wert von je fünfzig Euro erwerben – sollen alle, die Geld für die Kino-Produktion mit Christoph Maria Herbst zur Verfügung stellten, später Geld zurück erhalten. Kommt der Film, der Ende des Jahres produziert werden soll, 2013 in die Kinos, will Brainpool pro Eintrittskarte einen Euro an die Unterstützer ausschütten – ab dem millionsten Zuschauer nur noch 50 Cent.
Wer sich mit 1.000 Euro beteiligte, erhält auch eine Nennung im Abspann oder Premierentickets für den Stromberg-Film. Ab einem Betrag in Höhe von 50.000 Euro dürfen Investoren sogar kurz in einer Szene auftreten oder sich eine Figur samt Namen und Charaktereigenschaften ins Drehbuch schreiben lassen. Das Vorhaben gilt als das bislang erfolgreichste deutsche Crowdfunding-Projekt. Dabei dürfte es dem Brainpool-Management nicht nur auf das eingesammelte Geld ankommen, sondern vor allem auf den Marketing- und PR-Effekt. Im Grunde handle es sich auch um eine Art Marktforschung, um festzustellen, wie hoch das Interesse am Kino-Film wirklich sei, erklärte Stromberg-Schöpfer Ralf Husmann.
Hotel Desire: 170.000 Euro für Erotik-Film
Das Stromberg-Projekt ist kein Einzelfall. Als erster deutscher Film wurde im vergangenen Jahr der Erotik-Streifen Hotel Desire mit Crowdfunding kofinanziert. Dabei landeten 170.000 Euro in der Kasse, wobei sogar Einzelbeträge von nur fünf Euro möglich waren. Um Förderer zu finden, wurden nach und nach einzelne Teile des Drehbuchs online veröffentlicht. Der 40-Minuten-Streifen feierte am 8. Dezember in Berlin Premiere, kann für 1,99 Euro online pro 48 Stunden bei Videoload ausgeliehen und soll Mitte des Jahres bei arte ausgestrahlt werden. Inzwischen haben sich im Internet eine Reihe von Online-Plattformen wie etwa startnext.de etabliert, die Gelder für Medien- und Kulturprojekte akquirieren. Kommt der geplante Beitrag innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht komplett zusammen, werden die eingezahlten Summen in der Regel wieder an die einzelnen Geldgeber zurücküberwiesen.
Auch der Film Iron Sky, der am Wochenende erstmals bei der Berlinale gezeigt wurde, ist von einem Schwarm von für Science-Fiction-Parodien schwärmender Fans mitfinanziert worden. Im April 2011 hatten die Filmemacher sogar ein Crowdfunding Race gestartet, um bei einem Wettkampf von acht unterschiedlichen Crowdfunding-Plattformen – darunter auch startnext.de – insgesamt 300.000 Euro einzusammeln. Bis zum Ende der Projektlaufzeit aber wurde über keine der Plattformen der jeweils erforderliche Einzelanteil von 50.000 Euro eingespielt. Weil die meisten Unterstützer am Ende ihre Beteiligungen zurück erhielten, ließen sich auf diesem Weg nur knapp drei Prozent der gewünschten 300.000 Euro einsammeln. Auch wenn das Crowdfunding-Race scheiterte, konnten dennoch aus der Online-Fan-Community des finnischen Kult-Regisseurs Timo Vuorensola so viele Geldgeber gefunden werden, dass sie schließlich etwa zehn Prozent des kompletten Iron-Sky-Budgets beisteuerten. Vuorensola band die Community von Anfang an in die Produktion seiner SciFi-Comedy ein, bot einen Blog und stellte Detailfragen zur Diskussion.
Starke Marke, Crowdfunding & Credit
Mit den Crowdfunding-Plattformen oder eigenen Communitys ergeben sich neue Systeme für die Projektfinanzierung von Filmen, deren Entwicklung und Etablierung noch am Anfang stehen. Mittlerweile setzen einige Produzenten auf abgestufte Anreizmodelle. So skizzierte etwa Michael Schwertel, Geschäftsführer des Waldbröler Unternehmens Power-Toons, Ende vergangenen Jahres in der Zeitschrift der Kölner Industrie- und Handelskammer (IHKplus) folgendes Muster: „Für fünf Euro kann der Nutzer den Film gucken. Für 25 Euro bekommt er eine signierte DVD. Für 100 Euro Premierenkarten. Und für 1.000 Euro kann er sich einen Credit kaufen, das heißt, sein Name steht im Abspann. Ich habe die Einnahmen durch die Zuschauer also schon in der Kasse, bevor es den Film gibt.“ Funktioniert dieses Prinzip, ist das Geschäft mit dem Credit-Versprechen für viele Filmemacher besser als ein zinsloser Kredit.
Die bislang durch Crowdfunding realisierten Summen reichen, sollten keine weiteren Finanzquellen erschlossen werden, allenfalls für kleinere Independent-Projekte mit geringen Budgets aus. In jedem Fall aber können sie dazu beitragen, schon vor und während der Produktionen von Filmen eine Art Fan-Gemeinde zu mobilisieren. Erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen setzen voraus, dass Filmemacher und ihre Werke beim Publikum bereits vor dem Produktionsstart eine Art Vertrauensvorschuss genießen. Voraussetzung dafür sind starke Marken, die das Interesse von zahlenden Fans und/oder Investoren wecken.
13.02.2012 | Beitrag erstellt von in film
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