02.02.2012 | Beitrag erstellt von in television

Die Rundfunkwirtschaft wächst in Deutschland deutlich stärker als die gesamte Volkswirtschaft. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2008 bis 2010 nur um 3,9 Prozent zunahm, ist die Wertschöpfung der deutschen TV- und Hörfunkprogrammanbieter im selben Zeitraum um knapp 12 Prozent gestiegen.
Die Bruttowertschöpfung (Produktionswert minus Vorleistungen) der deutschen Rundfunkwirtschaft lag 2010 bei fast 5,8 Milliarden Euro und machte etwa 0,23 Prozent des BIP aus. Insgesamt haben Deutschlands Rundfunkunternehmen 2010 einen Ertrag (Produktionswert) in Höhe von knapp 16,9 Milliarden Euro erzielt. Dazu trugen Rundfunkgebühren, Werbeeinnahmen, Pay-TV-Umsätze sowie Teleshopping, Merchandising sowie Auftragsproduktionen bei. Die Zahl der Erwerbstätigen lag bei mehr als 47.000.
Diese Zahlen ermittelte das Beratungsunternehmen Goldmedia im Auftrag der Landesmedienanstalten. Für die Erhebung wurden von Mai bis August vergangenen Jahres Daten von 235 TV-Programmanbietern und 162 Hörfunk-Programmveranstaltern abgefragt.
Teleshopping als Wachstumsmotor
Trotz der relativ hohen Wachstumsraten beurteilten im vergangenen Jahr nur zehn Prozent aller Anbieter privatwirtschaftlicher TV-Programme ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut. 42 Prozent schätzten die Situation als befriedigend ein und fast die Hälfte aller Anbieter als ausreichend oder ungenügend. Grund dafür dürfte die Entwicklung sein, dass Wachstum in den vergangenen zehn Jahren vor allem steigenden Teleshopping-Erlösen zu verdanken war. Die Teleshopping-Kanäle, deren Zahl binnen zehn Jahren von zwei auf 16 stieg, steuerten 2010 etwa ein Fünftel zum Umsatz privatwirtschaftlicher TV-Programme bei. Klammert man diesen Bereich aus, lag der Umsatz privatwirtschaftlicher Anbieter 2010 etwa sechs Prozentpunkte unter dem Niveau des Jahres 2000. Auslöser für diesen Trend sind vor allem Probleme auf dem Werbemarkt: In diesem Segment lagen die Netto-Erträge der privatwirtschaftlichen TV-Programmanbieter 2010 noch immer mehr als 11 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2000.
Der Produktionswert der deutschen Rundfunkwirtschaft (öffentlich-rechtlich und privatwirtschaftlich) stieg von 2000 bis 2010 um zwanzig Prozent. Die Bruttowertschöpfung konnte dank zahlreicher, teilweise drastischer Maßnahmen zur Kostenreduzierung beinahe verdoppelt werden (plus 93 Prozent). Den Anbietern kommerzieller Hörfunk- und TV-Programme gelang es in der vergangenen Dekade sogar, ihre Bruttowertschöpfung auf 2,7 Milliarden Euro mehr als zu verdreifachen (plus 226 Prozent). Knapp 53 Prozent der Wertschöpfung der deutschen Rundfunkwirtschaft geht auf das Konto von ARD und ZDF, allerdings dominieren im TV-Segment mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln die privatwirtschaftlichen Anbieter.
Hohe Wertschöpfungswerte
Bei Wertschöpfung und Mitarbeiterzahlen der deutschen Rundfunkwirtschaft liegt der Anteil des Fernsehens jeweils bei etwa zwei Dritteln, der des Hörfunks bei einem Drittel. Die Zahl der Erwerbstätigen nahm von 2008 bis 2010 um 0,5 Prozent auf mehr als 47.100 zu. Diese positive Entwicklung entsprach exakt der Steigerung, die auch für den gesamten deutschen Arbeitsmarkt ermittelt wurde. Das überproportionale Wachstum der TV-Branche hat sich also kaum positiv auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Während im Fernsehbereich 52 Prozent aller Erwerbstätigen bei öffentlich-rechtlichen Programmanbietern arbeiten, liegt der Anteil öffentlich-rechtlicher Stellen im Bereich Hörfunk sogar bei 76 Prozent. Typisch für die Branche ist der hohe Wert für die Wertschöpfung pro Beschäftigten. Dieser liegt mit etwa 123.000 Euro pro Jahr etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt der deutschen Gesamtwirtschaft.
Trotz eines sehr dicht besetzten Marktes bleiben in Deutschland Free-TV-Programme, die knapp die Hälfte des Umsatzes privater Anbieter von Fernsehprogrammen beisteuern, noch immer die profitabelsten Rundfunkangebote. Bei den Free-TV-Vollprogrammen lagen die Einnahmen 2010 gleich 35 Prozent über den Ausgaben (135 Prozent Kostendeckung). Bei Free-TV-Spartenprogrammen übertrafen die Einnahmen die Kosten um 20,3 Prozent und bei Teleshopping-Kanälen betrug der Kostendeckungsgrad 108,7 Prozent. Nach wie vor defizitär bleiben Pay-TV-Kanäle, deren Einnahmen 2010 nur 83,2 Prozent der Kosten decken konnten. Knapp unter der Kostendeckung lagen auch die Erlöse von lokalen und Ballungsraum-Kanälen, während landesweite TV-Fenster mittlerweile geringe Gewinne erzielen (103 Prozent Kostendeckung). Wichtigste Einnahmequelle der Free-TV-Kanäle bleibt mit einem Anteil von 81,4 Prozent die Werbung.
Niedrige Ausbildungsquoten
er höchste Ertrag im Bereich privatwirtschaftlicher TV-Programme wurde 2010 mit 4,1 Milliarden Euro in Bayern erwirtschaftet, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, wo knapp 3 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Damit steuern diese beiden Bundesländer mehr als 93 Prozent zu den Erträgen der TV-Branche bei. Beide Bundesländer zusammen bieten auch die meisten Arbeitsplätze bei privatwirtschaftlichen TV-Programmanbietern, wobei Bayern (43,1 Prozent) ebenfalls vor Nordrhein-Westfalen (28,6 Prozent) liegt.
Relativ gering ist in Bayern und Nordrhein-Westfalen mit 3,0 bzw. 2,5 Prozent der Anteil der Auszubildenden bei den privaten Anbietern bundesweiter TV-Programme. Auch in den meisten übrigen Bundesländern werden – mit Ausnahme der weniger bedeutenden Medienstandorte Sachsen-Anhalt, Thüringen, dem Saarland und Bremen – nur einstellige Ausbildungsquoten erreicht. Ähnliches ermittelte die Bundesagentur für Arbeit unlängst auch für die Medienstadt Köln. Dort liegt die Ausbildungsquote in der gesamten Kreativwirtschaft mit 3,8 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt aller Kölner Unternehmen, bei denen 5,1 Prozent aller Beschäftigten Auszubildende sind.
Matthias Kurp
Die Untersuchung im Auftrag der Landesmedienanstalten ist auch als Buch erschienen:
Die Medienanstalten/ALM (Hrg.): Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2010/2011. Berlin 2011.
Eine Zusammenfassung und Auszüge stehen auch online zur Verfügung.
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