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Lokale Blogs erfordern großes Engagement und Durchhaltevermögen. Etwa zwanzig solcher Angebote, die oft auch als Placeblogs oder Lokalblogs bezeichnet werden, informieren inzwischen in Nordrhein-Westfalen über örtliches Geschehen. Die Macher wollen ähnlich wie Lokalzeitungen Leser mit Neuigkeiten aus der Nahwelt versorgen – ausgerechnet übers World Wide Web. Placeblogs gelten deshalb als gutes Beispiel dafür, wie Globalisierung und Lokalisierung online zur „Glokalisierung“ werden.

Einige haben Namen wie Waterboelles oder Paderbornverbesserer, andere heißen ganz einfach Bottblog oder Wupperguide. Blogs füllen in immer mehr lokalen Kommunikationsräumen publizistische Lücken, wo Lokalzeitungsredaktionen die Mittel zum Blick in die Nachbarschaft fehlen. Im Remscheid erfuhren die Leser von Waterboelles unlängst, dass der Remscheider General-Anzeiger, die auflagenstärkste Zeitung vor Ort, vom Verlag des Solinger Tageblatts übernommen wird.

Kritischer Blick vom Waterboelles in Remscheid

Waterboelles, so nennen die Remscheider einen alten Wasserturm, der gleich hinterm Rathaus das Stadtbild prägt und die Haushalte mit Wasser versorgt. Von seiner Spitze aus bietet sich ein Blick über die gesamte Stadt. Und genau diese Perspektive will publizistisch auch Blogger Lothar Kaiser bieten. Als der ehemalige Leiter des WDR-Studios in Wuppertal 2007 in den Ruhestand ging, gründete er in seiner Heimatstadt kurzerhand seinen eigenen lokalen Informationsdienst. Kaiser ist lokaler Online-Chronist, Fotograf, immer kritischer Beobachter und zuweilen auch scharfzüngiger Kommentator. Sein unermüdliches Arbeitspensum würde in mancher Lokalredaktion als Selbstausbeutung bezeichnet.

Xtranews zur Love-Parade-Katastrophe

In Paderborn berichtete Blogger Klaus Schröder über einen Antrag, mit dem die Verwaltung beauftragt werden sollte zu prüfen, „ob die Peitschenlampen an der Nesthauser Straße im Zuge energetischer Sanierung nicht auch optisch aus ihrem suboptimalen Zustand befreit werden können“. Inzwischen sei der Antrag zurückgezogen worden, teilte der Paderbornverbesserer lakonisch mit. Der Bottblog bezeichnet sich selbst als „Blog zum Ruhrmetropölchen Bottrop anne Emscher“, und der Wupperguide schrieb zuletzt über die Ehrenring-Verleihung an den Stifter und Kinderhospiz-Förderer Erich Bethe. Bei solchen Themen wird deutlich, was der Begriff hyperlokal meint: Nachrichten aus der Nachbarschaft.
In Duisburg trug der Blog Xtranews wesentlich zur Aufklärung der Love-Parade-Katastrophe bei, und der Gelsenkirchener Blog Gelsenclan zeigt Fotos vom neuen Straßenstrich in Bismarck. Das Spektrum der Lokalblogger reicht inzwischen von Heimatgeschichte über Kultur und Kirche bis hin zur Kommunalpolitik. Doch der Aufwand für eine kontinuierliche Berichterstattung ist groß. Deshalb sind viele Blogs, die noch vor ein paar Monaten lebendig und lebhaft Wertvolles zur lokalen Agenda beitrugen, inzwischen auch schon wieder verschwunden. So stammen etwa die letzten Wupperblog-Beiträge vom Januar, in Leverkusen wurde bei LevLog.de zuletzt im Dezember 2010 ein aktueller Text präsentiert. Auch in anderen Fällen stammen die letzten Einträge aus dem vergangenen Jahr, oder die Blogs-Websites präsentieren sich als Baustellen oder Ruinen. In anderen Fällen stammen die letzten Einträge aus dem vergangenen Jahr. Auf Dauer werden Placeblogs deshalb wenig geeignet sein, um etwa in Einzeitungskreisen Meinungsvielfalt zu garantieren.

Subjektive Darstellung pointierter Positionen

Kümmert sich nicht gerade – wie in Remscheid – ein professioneller Journalist um einen Lokalblog, dann fehlt es häufig auch am professionellen Handwerkszeug. In Blogs werden Themen, so zeigen empirische Untersuchungen, meist nach äußerst subjektiven Einschätzungen selektiert. Meist ergeben sich deshalb Beiträge eher zufällig, was für eine systematische aktuelle Berichterstattung nicht ausreicht. Blogs bieten zwar ein breit gespanntes Themenspektrum, können aber das aktuelle Geschehen nicht adäquat repräsentativ abbilden – weder flächendeckend noch chronologisch.
Blogger wählen in der Regel stark subjektiv gefärbte Darstellungen, die pointiert bestimmte Positionen vertreten. Eine Überprüfung auf Richtigkeit durch eine Redaktion entfällt. Umso wichtiger sind die Online-Debatten, die auf den Internetseiten der Blogger entstehen. Da können kritische Leser mit eigenen Beiträgen zum wichtigen Korrektiv werden.

Kein Ersatz für professionellen Journalismus

Originär journalistische Motive wie die Darstellung aktuellen Geschehens, komplexer kommunaler Probleme oder die Abbildung von Ereignissen, die Nachrichtenwert und Relevanz für eine möglichst große Zahl von Nutzern aufweisen, spielen übrigens für die meisten Blogger kaum eine Rolle. Sie selbst sehen sich deshalb auch nicht als Ersatz für professionellen Journalismus, sondern eher als Ergänzung. „Ich kann und will keine Tageszeitung ersetzen, aber politische Diskurse in Gang bringen“, lautet Lothar Kaisers Philosophie, die er auch gerne mit dem Begriff „Gegenöffentlichkeit“ beschreibt.


Dr. Matthias Kurp

 

Lokal- oder regionalpublizistische Blogs in Nordrhein-Westfalen

Städte

Bad Honnef

www.diebadhonnefer.de

Bonn

www.bnlog.de
www.bonner-presseblog.de
www.bonnbeuel.de

Bottrop

www.bottblog.de

Düsseldorf

www.duesseldorf-blog.de

Duisburg

www.xtranews.de

Gelsenkirchen

www.gelsenclan.de

Heiligenhaus

www.heiligenhaus-blog.de

Herne

www.hallo-herne.de

Kleve

www.kleveblog.de

Köln

www.mein-koeln.blog.de
www.koeln-allgemein.de
www.meinesüdstadt.de

Mönchengladbach

www.bz-mg.de

Oberhausen

www.schraege-o.de

Paderborn

www.paderbornverbesserer.wordpress.com

Pulheim

www.brauweilerblog.de

Remscheid

www.waterboelles.de

Soest

www.blog.123soest.de

Wuppertal

www.wuppeguide.de

Regionen

Ostwestfalen

www.die-ostwestfalen.de

Rheinland

www.koeln-bonn.blog.de

Rhein-Kreis Neuss

www.klartext-ne.de

Ruhrgebiet

www.pottblog.de
www.ruhrbarone.de
www.revierpassagen.de

Selfkant

www.freundeskreis-selfkant.de

N.B.: Nicht berücksichtigt wurden Angebote von Parteien, Städten, Zeitungsverlagen sowie von solchen Unternehmen, die nicht aus der jeweiligen Stadt oder Region stammen und örtliche Blogs lediglich über ein automatisiertes Content-Management-System anbieten. Außerdem blieben Blogs unberücksichtigt, die zwar lokal, aber nur auf ein spezielles Themengebiet (zum Beispiel Kultur oder Sport) begrenzt sind.

03.11.2011 | Beitrag erstellt von redaktion in digital
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