„Game Over – ich strecke die Flossen. Ich gebe mich geschlagen, komme nicht mehr mit. Die digitale Welt frisst ihre Kinder und Schande, ich bin eines davon.“ Mit diesem Hilferuf wandte sich Richard Gutjahr am 1. Juni unter der Überschrift „Digitaler Overkill“ an die Leser seines Blogs. Gutjahr ist einer dieser digitalen Wanderer zwischen den Welten von Journalismus und Social Networks. Nach eigenen Angaben hat er sich bei etwa hundert Communitys angemeldet. 

„So langsam gehen mir die Erlebnisse aus! Ich fühle mich schuldig, schließlich erwarten meine Fans, Freunde und Follower ständig neuen Stoff“, umschreibt Gutjahr, der freier Mitarbeiter des Bayerischen Fernsehens ist, das Dilemma von Social Networks. Der Mann, der als TV-Reporter und -Nachrichtenmoderator (Spätausgabe Rundschau) den professionellen Umgang mit Neuigkeiten gewohnt ist, leidet unter dem kommunikativen Erwartungsdruck der Netzgemeinde – und bekennt sich öffentlich dazu!
Gutjahr ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München, hat an der Ludwig-Maximilians-Universität Politik und Kommunikationswissenschaft studiert und später unter anderem auch in den USA und Jugoslawien recherchiert und reportiert. Im Januar/Februar bloggte er live von Tarhir-Platz in Kairo und war dabei, als der ägyptische Volksaufstand gegen Mubaraks Regime begann. Nachdem er während seines Urlaubs in Israel von den Unruhen in Ägypten erfahren hatte, reiste Gutjahr auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko nach Kairo. Als Kommunikationskanal nutzte er außer seinem Blog auch Twitter, als Reportage-Werkzeug setzte er sein Smartphone ein. Schließlich berichtete er auch für die Tagesschau telefonisch über die Ereignisse auf dem Tarhir-Platz. Als sich die Krise in Ägypten zuspitzte, trat Gutjahr die Heimreise an.

„Ich bin Blogger, aber hauptberuflich bin ich Journalist“, sagt Richard Gutjahr über sich selbst. Beim 23. Medienforum.NRW wird er bei der Eröffnungsveranstaltung am Montag, 20. Juni, dabei sein und auf dem Podium mitdiskutieren, wenn der digitale Medienwandel im Mittelpunkt stehen wird.

10.06.2011 | Beitrag erstellt von redaktion in mefo inside
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