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STANDPUNKT // LOCATION BASED SERVICES: WARUM DER CHECK-IN FÜR VIELE OUT BLEIBT

Standpunkt zum Artikel Mobile Media // „Guck mal, es läuft schon“. Von Heike Scholz, Beraterin und Autorin von Mobile Zeitgeist.

Standortbezogene soziale Netzwerke, deren Software mobile Check-in-Modelle für moderne Handys anbietet, gehören zurzeit zu den meist diskutierten neuen Services: Facebook Places, Foursquare, Gowalla, Friendticker und noch einige andere Location Based Services mit Netzwerkfunktion erscheinen vielen wie Heilsbringer, die nicht nur Massen von Konsumenten in die Geschäfte spülen, sondern auch mit Coupons versorgen und so ihre Kauflaune aufhellen.

Es ist richtig, dass zum Beispiel Foursquare durchaus Erfolge zu vermelden hat, aber neben dem Licht ist auch Schatten. So wurde die Zahl der Mitglieder von Juli bis Dezember 2010 zwar von zwei Millionen auf fünf Millionen gesteigert, die Summe der Check-in-Vorgänge legte aber nur von einer Million auf zwei Millionen zu. Während die Anzahl der registrierten Nutzer stark steigt, gilt dies für die Zahl der aktiven Nutzer weniger. Die monatlichen Check-ins pro Nutzer sanken von 0,5 auf 0,4, was ebenfalls zeigt, dass viele der Nutzer nicht aktiv sind.

Facebook hat es bei 650 Millionen Nutzern – davon 250 Millionen mobil – gerade auf dreißig Millionen Check-ins gebracht. Die geringe Quote von 0,12 Check-in pro User liegt vor allem daran, dass Facebook wirklich nur den reinen Check-in anbietet. Auf jeglichen Spielcharakter wird ebenso verzichtet wie auf eine Belohnung in Form von Coupons oder anderen Vergünstigungen.

Vermutlich werden es die Check-in-Services auch 2011 nicht schaffen, den Massenmarkt zu erobern. Das war allerdings auch nicht wirklich zu erwarten. Wahrscheinlich wird der eine oder andere ganz vom Markt verschwinden. Wichtig ist, dass die Betreiber solcher Plattformen dem Nutzer einen wirklichen Mehrwert bieten.

Warum aber checken sich Menschen per Smartphone bei mobilen Netzwerken ein oder warum sollten sie es tun?

Menschen treffen: Wenn die eigenen Freunde am gleichen Ort sind, ist zum Beispiel bei Events und Konferenzen nichts schöner, als dies zu erfahren und sie zu treffen.

Punkte sammeln und Belohnungen: Ein Checkin lohnt sich dann, wenn Vergünstigungen in Form von Coupons, Rabatten oder Bonuspunkten locken.

Erinnerungsfunktion: Manche Nutzer checken insbesondere in fremden Städten privat ein, um sich ein Restaurant oder Hotel wie mit einem Notizbucheintrag besser merken zu können.

Selbstdarstellung: Schließlich dient ein Checkin für viele Menschen einfach zur Pflege der eigenen Online-Reputation, zum Beispiel in einem Fünf-Sterne-Hotel irgendwo auf der Welt als Maßnahme zum Aufbau der eigenen Marke.

Das alles aber wird zur Etablierung von Checkin-Systemen allein nicht ausreichen. Per Checkin Freunde zu treffen, funktioniert nämlich nur in Ballungsräumen, in denen die einschlägigen Treffpunkte nicht weit voneinander entfernt sind. Sobald der Wechsel der Location mit größerem Aufwand verbunden ist, wird niemand mehr auf den Check-in eines Freundes an einem  anderen Ort reagieren. Gegen Spiel- und  Couponaktionen spricht, dass sie meist schon nach kurzer Zeit ihren Reiz verlieren. Auch das digitale Notizbuch via Check-in und die Pflege der eigenen Reputation sind Funktionen, die nicht den ganz großen Massenmarkt versprechen. Die meisten Menschen wollen einfach weder irgendwo einchecken noch wissen sie, warum sie das tun sollten. Insbesondere viele Frauen stehen dem eher skeptisch gegenüber.

Alles in allem liegt aus diesen Gründen noch ein weiter Weg vor den Betreibern von Checkin-Services – und es wird spannend sein zu sehen, wer überleben wird.

 

 

16.05.2011 | Beitrag erstellt von redaktion in digital
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