Im Rahmen des 23. Medienforum.NRW werden zum 21. Mal Filmkreative mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet. In diesem Jahr gehen etwa 420 Produktionen ins Rennen.Für einige von ihnen kam eine neue Technik zum Einsatz: die HD-Videofunktion von Spiegelreflexkameras.

Jurysitzung des Deutschen Kamerapreises 2011 in Berlin.Unter den 420 Einreichungen machen die Juroren eine neue Strömung aus: Das „große Bildformat“ – also 35 Millimeter und größer –, das bisher dem Kino vorbehalten war, taucht plötzlich in allen Kategorien auf. Man findet es über die Grenzen der Genres hinweg in unterschiedlichsten Produktionen – ob Doku, Fernsehspiel, Kurzfilm, Reportage oder Serie. Damit verbunden: neue, mutige Ansätze in der Bildgestaltung. Unschärfe bekommt in Reportagen und Dokumentationen eine neue Dimension. Sie ist Mittel, um Tiefe im Bild zu erzeugen, aber auch abstrahierendes Element, das zwischen technischer Unzulänglichkeit und virtuoser Bildgestaltung pendelt. Die bewusste „Suche nach der Schärfe“ wird auf einmal zu einer charakterisierenden filmischen Kraft.

Rückblick: Es war auf der NAB 2008 – der weltweit wichtigsten Broadcast-Messe in Las Vegas. Ein Vertreter der Firma Canon wies nebenbei darauf hin, dass man in diesem Jahr auch Spiegelreflexkameras zeigen werde, die über eine HD-Videofunktion verfügen. Die insgesamt eher zurückhaltende Präsentation stieß beim Fachpublikum auf großes Interesse und erzielte eine nachhaltige Wirkung auf eine ganze Branche.

Was war passiert? Dank größerer, immer lichtempfindlicherer Sensoren hat die digitale Fotografie wieder das volle Kleinbildformat von 24 mal 36 Millimeter erreicht. Daneben gibt es die sogenannten APS-C-Sensoren, die ungefähr dem 35-Millimeter-Filmbild gleichen. Dadurch bieten Fotokameras im Videomodus nun eine Bildqualität, die der des großen Kinos ebenbürtig ist – und das zum Preis von Consumer-Elektronik. Wer etwa 3.000 Euro investiert, ist in der Lage, mit einer digitalen Spiegelreflexkamera in bestechender HD-Filmqualität zu produzieren.

Fotokameras fürs Filmset

Der Markt reagierte schnell und liefert reichlich Zubehör,um die Fotokameras sinnvoll am Set einsetzen zu können. Aus der Not der ungewöhnlichen Handhabung machen die Kameraleute eine Tugend: Sie erobern sich mit den kleinen Kameras eine neue Freiheit in der Bildgestaltung. Der gesamte fotografische Gestaltungsspielraum steht nun zur Verfügung, ohne sich ein hochpreisiges 35-Millimeter-Kino-Equipment leisten zu müssen.

Weil die Lichtempfindlichkeit der Fotosensoren ausgesprochen hoch ist, kann nun in allen erdenklichen Situationen gedreht werden. Fotografen entdecken so das Bewegtbild, Kameraleute die Fotokamera. Beide  beeinflussen sich gegenseitig und damit die Filmgestaltung in positivem Sinne: Selektive Schärfe, Tilt (Verschwenken), Shift (Verschieben) und Bouqueteffekte sind auf einmal angesagte Gestaltungsmittel. Zwar existieren gegenüber einer „echWeil die Lichtempfindlichkeit der  Fotosensoren ausgesprochen hoch ist, kann nun in allen erdenklichen Situationen gedreht werden. Fotografen entdecken so das Bewegtbild, Kameraleute die Fotokamera. Beide beeinflussen sich gegenseitig und damit die Filmgestaltung in positivem Sinne: Selektive Schärfe, Tilt (Verschwenken), Shift (Verschieben) und Bouqueteffekte sind auf einmal angesagte Gestaltungsmittel. Zwar existieren gegenüber einer „echten“ Filmkamera auch deutliche Einschränkungen, wie etwa der Rolling-Shutter-Effekt bei einem Kameraschwenk oder einem bewegten Motiv, der für kippende Vertikalen und windschiefe Köpfe sorgt. Doch wer weiß, was er tut, findet Möglichkeiten, diese kritischen Effekte zu vermeiden oder sie bewusst einzusetzen.   

Hohe Qualität, niedrige Kosten

Dialogszene: Kopf groß, kurze Aufnahmedistanz, Reportagecharakter, leicht weitwinkeliger Bildeindruck, die Pupillen der Protagonistin gestochen scharf. So etwas ist mit der neuen Technik leicht möglich. Alle anderen Bereiche des Gesichts liegen in der Unschärfe. Der Hintergrund ist vollständig abstrahiert und besteht aus diffusen Flächen. So entstehen konzentrierte, intensive Bilder, die sich deutlich von dem unterscheiden, was man sonst aus der Videowelt kennt.

In den Händen von mutigen und kreativen Kameraleuten, in Verbindung mit guten Programmideen, können so visuell aufregende Produktionen entstehen, die mit einem vergleichsweise kleinen Budget auskommen. Die Preisverleihung des 21. Deutschen Kamerapreises am 18. Juni 2011 in Köln wird dies eindrucksvoll zeigen. Weitere Informationen unter: www.kamerapreis.de.

 

Walter Demonte

 

 

12.05.2011 | Beitrag erstellt von redaktion in digital,film
Kommentar erstellen | Trackback-Link Views: 934

  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  

Mein Kommentar

Zurück

Kategorien

Medienforum Magazin

  • [+]2011
  • [+]2010
  • [+]2009
  • [+]2008
  • [+]2007

Letzte Kommentare

Archiv

Archiv

ARCHIV MEDIENFORUM.MAGAZIN

Das medienforum.magazin berichtet zweimal jährlich über aktuelle Themen der Medienbranche. Alle Texte finden Sie hier zum Download.