Das Internetunternehmen AOL zahlt etwa 315 Millionen Dollar und übernimmt die Online-Nachrichtenseite The Huffington Post. Mit der größten Investition seit der Ausgründung aus dem Medienkonzern Time Warner versucht der Internet-Pionier ein Comeback. Arianna Huffington soll den gesamten AOL-Nachrichtenbereich leiten und eine Rückkehr in die Gewinnzone ermöglichen.

Als vor elf Jahren das Online-Unternehmen America Online (AOL) den Medienkonzern Time Warner übernahm, galt diese Ehe als die bis dahin größte Firmenübernahme der Wirtschaftsgeschichte und als ein Symbol für eine Zeitenwende: New Economy und Internet eroberten die klassischen Medien.

Der Wert der Megafusion wurde damals auf 183 Milliarden Dollar geschätzt. Auch wenn AOL nur etwa ein Fünftel des Time-Warner-Umsatzes erzielte, schluckte damals das kleinere Unternehmen das größere. Grund war der mit 113 Milliarden Dollar errechnete höhere Börsenwert von AOL, während die Time-Warner-Aktien insgesamt nur 96 Milliarden Dollar wert waren. Was folgte, war der Absturz eines Online-Riesen, der darunter litt, dass der Wettbewerb im Geschäft mit dem Online-Providing immer stärker wurde. Schließlich kam es zur Scheidung: Als AOL Ende 2009 wieder von Time Warner getrennt wurde, war das Unternehmen nur noch etwas mehr als drei Milliarden Dollar wert. Seitdem müht sich das AOL-Management um neue Geschäftsideen, während die neuen Stars der Internetwelt Google, Facebook oder Twitter heißen.

AOL versuchte in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Akquisitionen neue Geschäftsfelder zu erschließen. 2004 wurde der Online-Vermarkter Advertising.com für 435 Millionen Dollar gekauft. Im vergangenen Jahr mühte sich das Unternehmen um neue Content-Quellen und übernahm unter anderem den Technologie-Blog TechCrunch samt einiger Schwesterpublikationen. Mit dem Nachrichtenportal The Huffington Post soll jetzt das publizistische Profil weiter geschärft werden. Die Online-Zeitung erreicht monatlich etwa 25 Millionen Nutzer. Gemeinsam mit anderen AOL-Publikationen resultiert daraus eine monatliche Gesamtreichweite von 270 Millionen Nutzern, davon 117 Millionen in den USA.

Huffington als Hoffnungsträgerin

Dianna Huffington gründete The Huffington Post im Mai 2005 gemeinsam mit Kenneth Lerer und Jonah Peretti. Das Startkapital von etwa einer Million Dollar hat sich angesichts des nun erzielten Kaufpreises in kürzester Zeit beträchtlich verzinst. Die 60-Jährige verstand es immer wieder geschickt, mit prominenten Bloggern wie Michael Moore oder Madonna, Barack Obama oder Hillary Clinton auf ihr Web-Newspaper-Projekt aufmerksam zu machen. So stieg The Huffington Post schnell zu einer der wichtigsten Online-Informationsquellen für Millionen von Amerikanern auf und wird von vielen für das einflussreichste Alternativmedium der USA gehalten.


Auf der Startseite der „HuffPo“ wurde der AOL-Millionen-Deal mit dem Titel „A brand New Media Universe“ verkündet. Dianna Huffington soll als neue Präsidentin aller AOL-Inhalte aus dem Service- und Content-Provider der 80-er und 90-er Jahre einen modernen Online-Medienkonzern formen. Die gebürtige Griechin und ehemalige Frau eines reichen republikanischen Senators schwärmte bereits von einem „Merger of Visions“. Die Idee, die hinter der Fusion steckt, ist nicht neu: Schon vor elf Jahren suchte AOL mit der Übernahme von Time Warner nach exklusiven Inhalten. Im Internet sollte vor allem durch grafische Werbung Geld verdient werden. Das Konzept aber ging nicht auf, weil die Integration der einzelnen Mediensparten innerhalb des Konzerns AOL Time Warner misslang und die erhofften Synergieeffekte weitgehend ausblieben. Nun unternimmt AOL-Chef Tim Armstrong einen weiteren Anlauf in eine ähnliche Richtung: Er will Nachrichten und lokale Informationsdienste für möglichst viele digitale Plattformen bereitstellen, um AOL so für Werbekunden attraktiver zu machen. Damit setzt der Konzern auch weiterhin vor allem auf werbefinanzierte Angebote, die für die Nutzer kostenlos sind – und nicht etwa auf den viel beschworenen Paid Content.

Dr. Matthias Kurp

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