Es hat seinen ganz besonderen Reiz, in der Atmosphäre eines Auswanderermuseums einen  Medienkongress zu veranstalten. Das Erlebnismuseum BallinStadt bietet die Szenerie für das jährlich stattfindende scoopcamp, das 2009 seine Premiere erlebte und mit der erfolgreichen Auflage 2010 offenbar schon kurz davor ist, Tradition zu werden. Jedenfalls ist das scoopcamp 2011 schon versprochen – und das ist gut!

Die aktuellen Entwicklungen und Trends der schreibenden und bloggenden Zunft – hautnah erklärt von den Pionieren aus Social-Media-Szene und Verlagswelt. So sehen die scoopcamp-Verantwortlichen, das Netzwerk hamburg@work und die dpa, ihre Veranstaltung selbst und liegen damit nicht schlecht. Wer 2009 Adrian Holovaty und sein Start-up everyblock.com erlebt hat und in diesem Jahr für die Keynoter Aron Pilhofer  (New York Times) oder Oliver Reichenstein (information Architects) nach Hamburg gekommen war, wurde mit exzellenten Vorträgen in einer sehr offenen und kommunikativen Umgebung belohnt.

Pilhofer flog aus in die Welt der Visualisierung von Daten. Wie macht man Daten begreifbar, wie breitet man sie journalistisch so auf, dass Mehrwerte für die Lesenden und Surfenden entstehen? Der New York Times-Mann hatte viele Beispiele, best und worst-practices parat. Oliver Reichenstein widmete sich den Themen Design und Usability. Sind Zeitschriften-Apps mehrspaltig? Wird geblättert, wird gescrollt? Wer heute schon auf seinem iPad schiebt und wischt, weiß, wie schnell solche Fragen enorm wichtig werden und über Erfolg und Misserfolg entscheiden können.

Übrigens liegt, wer bei scoopcamp an alternative Veranstaltungsformate wie BarCamps, an Open Space Technology oder Unconferences denkt, eher falsch. Der Tag ist strukturiert, die „scoopshop“-Angebote geplant, bevor sie beginnen. Es ist ja auch kein Nachteil, zu wissen, was einen erwartet. In diesem Jahr haben, neben den Keynotern selbst, was als besonders spannend gelten kann, u.a. Richard Gutjahr und Ulrike Langer zu diesen sechs dreistündigen Angeboten beigetragen, die nebeneinander liefen.

Das heutige Erlebnismuseum BallinStadt war vor fast 100 Jahren für viele Auswanderer die letzte Station auf dem Weg in Neue Welt. Dass in diesem und dem vergangenen Jahr Menschen nach Hamburg gekommen sind, die in ganz besonderer Weise „new ways of storytelling“ beherrschen, um ihre Ansätze und Ideen mit jenen zu teilen, die selbst aufbrechen wollen in neue Dimensionen des Erzählens von Geschichten, das gehört zu den kleinen Nebensachen, die Konferenzen zu etwas Besonderen machen können.

Dr. Gernot Gehrke

07.10.2010 | Beitrag erstellt von team in digital,mefo inside,publishing
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