Früher gab es das, was mir lieb und teuer war, im Fernsehen eher selten. Ich glaube, gerade deshalb habe ich mich besonders darauf gefreut – auf den tollen Spielfilm, der bisher nur im Kino lief, oder auf die neue Serie, die mit großem Tamtam schon durch die Gazetten gejagt wurde und in deutschen Wohnzimmern, auch in unserem, für merkliches Erstaunen sorgte. Meine Wunschqualität war damals ein knappes Gut, das Angebot überschaubar, die Gelegenheit es zu bekommen sehr selten.
Heute flimmert alles, immer, überall und hat dadurch für mich einen großen Teil seines Zaubers verloren. Die schwierige Kunst wird mehr und mehr, tatsächlich zu finden, was berührt, beeindruckt, bewegt und sich abhebt von dem, was im Dutzend aller Orten angeboten wird.

Die Qualität im Fernsehen ist dabei nicht weniger geworden – ganz im Gegenteil. Sie hat sich nur besondere Plätze gesucht in Nischen, die abseits der prime-time liegen, oder – immer häufiger – auf Sendern, die neu sind oder nur gegen Entgelt zu beziehen. Oder aber, sie ist auf DVD zu kaufen. Das Zufallsglück jedenfalls, im Free-TV auf Qualität zu treffen, hat sich merklich reduziert. Navigatoren, Programmführer, Komplexitätsreduzierer, Helfer mit hoher Treffsicherheit eben gewinnen deshalb dramatisch an Bedeutung. Dass Programmzeitschriften oder elektronische Programmführer (EPG) diese Rolle übernehmen können, bezweifele ich. Dass Sendungen in einer festgefügten zeitlichen Abfolge ein Programm konstituieren, werden unsere Kinder nicht mehr für den Normalfall halten. Ich stelle mir Programmbibliotheken vor, die auf Abruf zur Verfügung stehen und in der die Kunden ihre Bewertungen hinterlassen. Lauter kleine Communities werden sich dabei bilden, die sich gegenseitig empfehlen, was ihnen lieb und teuer ist. Dabei auf einen gigantischen Long Tail von Qualitätsprodukten zu hoffen, ist sicher naiv, aber eine schöne Vorstellung.

Dr. Gernot Gehrke

08.06.2010 | Beitrag erstellt von Dr. Gernot Gehrke in standpunkt
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Tags: television, digital Views: 2358

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Aber wann?

Die Vorstellung ist ja nicht neu. Tatsächlich begleitet der Gedanke nach einer interaktiven Programmbibliothek, an die Auflösung des linearen Programmes, schon seit einer ganzen Weile die Visionen der Zukunft unserer guten alten Flimmerkiste. Inzwischen sind auch die technischen Mittel geschaffen. Die Ausrede, die zu Beginn immer noch aufgeführt wurde, wenn auf die Revolution gewartet wurde, zieht jetzt nicht mehr. Dennoch tut sich nichts. Die ersten Fernseher werden inzwischen groß mit "Internet TV" beworben, doch ausser qualitativ minderwertigen (ioptisch UND inhaltlich) Youtube Clips kommt dabei nichts rum. Inzwischen haben die Fernsehhersteller die Vermarktung solcher Features weitestgehend wieder aufgegeben, um sich der neuen Revolution, der dritten Dimension auf dem Fernsehgerät, zu widmen. Innovation in der Nachhaltigkeit von Nanosekunden. Auf der anderen Seite stehen Online-Plattformen, die innovative Player, Medienbibliotheken, und videophile Communities zuhauf anbieten, denen allerdings erstens die Verbindung zur großen Mattscheibe im Wohnzimmer und zweitens die Inhalte fehlen. Content, qualitativ aber vor allem quantitativ, haben die Fernsehsender. Die allerdings sind zum einen so festgefahren in ihrem "Leitmedium"-Gedanken, dass schon das Anbieten einer Wiederholung im Internet einen großen Schritt in Richtung interaktives Fernsehen darstellt. Ausserdem hat man ja per sé kein Geld(private) oder bräuchte auf jeden Fall noch mehr (öffentlich-rechtliche), um sich des Blickes über den Tellerrand zu trauen. Stattdessen wird immer mehr immer günstiger produziert, was dann immer weniger geschaut wird. Also bleibt die Hoffnung, dass irgendwann einer, im Zweifel ein ganz neuer, mit einer Idee und den nötigen "cochones" auf macht, die Fernsehlandschaft zu revolutionieren und die Fernsehsender in den Ruhestand zu schicken. Trendsetter wie Apple oder Google haben erkannt, dass (Weiter-) Entwicklung die einzige Möglichkeit ist, in der sich rasend schnell verändernden Medienwelt auf Augenhöhe zu bleiben. Inzwischen haben beide Konzerne auch das Projekt Wohnzimmer in Angriff genommen. Apple-TV und Google-TV sind bis jetzt allerdings nur Begriffe, die nebulös über unserem Sofa hängen. Noch begnügen sich die Big Player mit dem Schreibtischstuhl. Bis es also soweit ist, suchen wir uns die Qualität halt noch in der Programmzeitschrift, im EPG oder ergeben uns der Vorstellung an eine rosigere Zukunft, mit wem auch immer...

01.07.2010 | 18:19 | Kommentar erstellt von Do  | Website: 

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