Standpunkt zum Artikel: Medienethik // Über Fakes und Fiktion, Werte und Wahrheiten
Von Präses Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

„In der Verantwortung vor Gott und den Menschen“, heißt es in der Präambel unseres Grundgesetzes, in dem die Würde eines jeden Menschen ebenso unter den besonderen Schutz gestellt wird wie die Meinungs- und die Religionsfreiheit. Wie das Grundgesetz sind auch die Zehn Gebote der Bibel nicht eine Beschreibung der Wirklichkeit. Vielmehr sind beide Texte ein Maß, an dem sich das Leben ausrichten soll.

Was heißt es nun in einer Welt, in der sich Medien rasant entwickeln, Verantwortung wahrzunehmen, Werte zu achten, Menschen nicht zur Ware zu machen und der Wahrheit verpflichtet zu bleiben? „Wie du willst, dass dir die Leute tun, so tue ihnen auch.“ So schlicht die biblische goldene Regel klingt, so richtig bleibt sie. Jede Berichterstattung, jede Zugangsmöglichkeit zu den Medien und jede Art des Umgangs mit ihnen kann sich daran ausrichten. Wer möchte nicht, wenn über ihn selbst berichtet wird, dass Seriosität vor Geschwindigkeit geht?

Mir liegt sehr daran, dass die Kommunikationsmöglichkeiten unserer Zeit nicht eine Frage von Einkommen oder Herkunft sind. Wirtschaftliche Armut, ein Wohnort ohne Breitbandanschluss oder mangelnde Deutschkenntnisse erschweren die Teilhabe an der digitalen Welt erheblich. Estland, in dem der Zugang zum Internet per Gesetz durch landesweit vorhandene Wifi-Zugangspunkte und öffentliche Internetterminals in Postämtern, Bibliotheken oder Dorfläden garantiert ist, ist für mich noch immer ein gutes Beispiel, wie es auch anders gehen kann.

In biblischer Zeit gab es Medien, die heute einen geringeren Stellenwert haben. Im Alten Testament lesen wir von dem Regenbogen als Gottes Zeichen der Unzertrennlichkeit von Himmel und Erde. Die Bündnispartnerschaft des Schöpfers mit den Menschen wird besiegelt mit den Spektralfarben des Lichts. Der beste Zugang zu einem Thema, wenn man mit dem Verstehen nicht hinterherkommt, ist von alters her, sich an der Schönheit der Bilder zu erfreuen.

Kein Text und kein Ton erzeugen bei uns Menschen eine so starke Faszination wie das Bild und vor allem das bewegte Bild. Deshalb wird das Fernsehen nach meiner Überzeugung auch künftig seinen Stellenwert als eines der Leitmedien behalten. Denn viele Menschen suchen in Fernsehfilmen wie im Internet nach Themen, die sie berühren, die ihnen etwas von dem Sinn des menschlichen Daseins und ihres eigenen Lebens vermitteln.

Ob das Bild im HDTV-Format, über ein digitales Netz oder über IPTV ins Haus kommt, ist dabei nicht entscheidend. Entscheidend ist für mich aber, ob unsere Medien das Leben in seiner Fülle abbilden. Ob Gewalt im Film nicht nur aus Sicht der Täter, sondern auch der Opfer gezeigt wird. Und für ebenso wichtig halte ich es, dass auch die profunden Themen des Lebens, die unser Zusammenleben berühren, unsere Mitmenschlichkeit fördern und uns sensibler machen, nicht einem Quotendruck von leichter Unterhaltung geopfert werden. Wer sich dem Thema „Verantwortung, Werte, Ware und Wahrheiten“ stellt, braucht Kriterien und Urteilssicherheit. Das medienforum.nrw wird den Diskurs genau darüber fördern.

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