Standpunkt zum Artikel: TV-News // Nachrichten - Nur ein Kostenfaktor?
Von Hans Demmel, Geschäftsführer von n-tv

Nachrichten als Kostenfaktor stehen aktuell mal wieder in der öffentlichen Diskussion – ein leidiges Thema und zugleich ein so spannendes. Was man dazu auch schreibt: In den Augen vieler Leser ist es falsch, unaufrichtig oder gar beides. Wer die Wahrheit schreibt, nämlich, dass Nachrichten Geld kosten, steht sehr schnell am Pranger. Vor allem, wenn er einen relativ kleinen und eigentlich genauso banalen Satz hinzufügt: Das Geld hierfür muss irgendwoher kommen – ob aus dem Werbeumfeld wie bei den Privaten oder aus den zwangsweise erhobenen Gebühren wie bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Und damit muss dann auch wirtschaftlich verantwortlich umgegangen werden. Dies sollte man sich vor jeder ernst gemeinten gesellschaftspolitischen Diskussion vor Augen führen.

Hinzu kommt, dass derzeit in Deutschland zwei private Nachrichtenkanäle, ein öffentlich-rechtlicher Ereigniskanal sowie zwei weitere, zumindest auf dem Papier nachrichtenorientierte öffentlich- rechtliche Kanäle und ein gutes Dutzend internationale Sender von CNN über France 24 bis zu Al Dschasira empfangbar sind – und dazu noch eine Reihe renommierter Nachrichtenformate: von der alteingesessenen Tagesschau bis zu RTL Aktuell. Als „undernewsed“ kann man das wohl kaum bezeichnen.

Kurz: Deutschland hat mit die besten Nachrichten weltweit. Und die Mediengruppe RTL trägt dazu in erheblichem Maße bei – mit Leidenschaft und dem Bewusstsein, als große private Sendergruppe eine gesellschaftspolitische Verantwortung zu haben. RTL Aktuell hat Nachrichten auch für jüngere Zuschauer und breite Zuschauergruppen erschlossen. n-tv ist rund um die Uhr verlässlich und bietet mit der umfangreichen Wirtschafts- und Börsenberichterstattung mehr Fläche für die Darstellung komplexer Zusammenhänge als jeder andere Sender in Deutschland.

Die Frage, ob privatwirtschaftliche Sender die Newsqualität von Kostenkalkulationen abhängig machen dürfen, ist zudem falsch gestellt! Sie müssen den Spagat zwischen Qualität und Kosten hinbekommen – und wie das Beispiel der Mediengruppe RTL zeigt, ist dies auch möglich. Auch die Frage, ob Nachrichten zugekauft werden dürfen, ist eine eher akademische. Natürlich erlaubt die eigenständige Produktion mehr Eingriffe und eventuell eine höhere Planungssicherheit. Am Ende aber stehen der Informationswert und die Vermittlungsqualität im Vordergrund. Und dafür bürgen gute Chefredakteure, die bei den Sendern die Verantwortung tragen.

Gerade werden wieder gesetzliche Auflagen angedacht. Um ehrlich zu sein, reicht meine Fantasie nicht aus, darin irgendeinen Vorteil zu sehen. Wie soll das funktionieren? Zwangsbudgets, Zwangssendezeiten oder gar Zwangszuschauen? Nein, der Gesetzgeber ist anders gefordert: Warum unterstützt er nicht diejenigen, die ihre gesellschaftspolitische Verantwortung ernst nehmen? Etwa mit bevorzugtem Zugang zu Frequenzen oder mit einer besseren Auffindbarkeit in EPG?

Nachrichten brauchen Freiheit, nur dann können sie gut sein. Und sie brauchen auch Geld. Aber viel, viel wichtiger ist: Macher und Verantwortliche brauchen Leidenschaft. So werden erfolgreiche Nachrichten gemacht, nicht mit neuen Gesetzesinitiativen.

01.05.2010 | Beitrag erstellt von Hans Demmel in standpunkt,television
Kommentar erstellen | Trackback-Link
Tags: qualität, finanzierung, journalismus, television Views: 1934

  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  
  •  
  • Trackback(s)
  •  

Jeux Jouets

Hello, thank you for this excellent write-up. I am usually searching for Games ideas to recommend in order to my own, personal readers. It is just what I was looking out for....

01.01.1970 | 01:00 Trackback von: "Jeux Jouets"

Mein Kommentar

Zurück

Kategorien

Medienforum Magazin

  • [+]2011
  • [+]2010
  • [+]2009
  • [+]2008
  • [+]2007

Letzte Kommentare

Archiv

Archiv

ARCHIV MEDIENFORUM.MAGAZIN

Das medienforum.magazin berichtet zweimal jährlich über aktuelle Themen der Medienbranche. Alle Texte finden Sie hier zum Download.