Standpunkt zum Artikel: Hybrid TV // Der späte Sieg der Konvergenz
Von Jürgen Sewczyk, Medienberater

2010 wird das Jahr der hybriden Endgeräte werden – also der Kombination von DVB- und IP-Welt. Die Zeit ist nach dreißig Jahren Teletext mehr als reif dafür. Das Besondere bei der jetzigen Entwicklung ist, dass es nicht mehr um PC kontra TV-Gerät und umgekehrt geht, sondern dass die Web- und die Fernsehwelt auf einem Bildschirm stattfinden. Die Technologie zur Darstellung von Internetinhalten über den Fernsehbildschirm ist in vielen modernen TVGeräten mit eingebaut und somit auch ein Rückkanal: Die seit zwanzig Jahren erträumte Interaktivität wird nun endlich wahr.

Die GfK Retail and Technology GmbH hat für Ende 2009 ca. 600.000 hybride Endgeräte im Markt errechnet und für Ende 2010 mehr als zwei Millionen von ihnen in deutschen Haushalten vorausgesagt, was etwa 15 Prozent Marktanteil entspricht.So schnell hat noch keine Technologie Einzug in den Markt gehalten, ohne große Marketingmaßnahmen oder sonstige Anstrengungen.

Für Inhalteanbieter mit einem Online-Auftritt können mit einfachen Mitteln, quasi automatisch, auch Inhalte für den Fernseher bereitgestellt werden. Wichtig ist dabei, die Seiten so anzupassen, dass sie aus drei Metern Entfernung auch noch gelesen werden können und übersichtlich bleiben. Die Navigation erfolgt derzeit über die Fernbedienung.

Viele Anbieter von Internetinhalten haben die Zeichen der Zeit erkannt und setzen weltweit auf diese neuen Plattformen. Die Angebote kommen aus allen Bereichen: Musik, Videotheken, News, Wetter, Versteigerungsplattformen, Bilder- und Videodienste, E-Commerce, Routenplaner, Infodienste und vieles mehr.

Es gibt Hersteller, die Portale für jedes europäische Land erstellt haben. Dabei fällt auf, dass bei den Inhalten bestimmte Anbieter immer wieder auftauchen, zum Beispiel Ebay, Wetterdienste, Picasa, Youtube, VW, Skiinfo, um nur einige bekannte zu nennen.

Aber wo zwei unterschiedliche Marktsegmente – also Fernsehen und Internet – mit verschiedenen Angeboten und Geschäftsmodellen in einem Endgerät aufeinandertreffen, gibt es auch eine neue Realität bei dieser hybriden Medientechnik: Die Sender wollen keine Veränderungen ihrer Signale und einen strengen Kopierschutz, die Hersteller befürworten dagegen größere Freiheitsgrade.

Die Frage kann nicht mehr lauten „Wem gehört der Bildschirm?“, sondern „Was wird auf welche Weise auf einem Bildschirm dargestellt?“ – und zwar unter Schutz der Rechte der jeweiligen Inhalteanbieter und der Interessen der Endgerätehersteller. Die Debatte darüber findet seit Monaten intensiv unter anderem bei der Deutschen TV-Plattform statt.

Es gibt also noch eine Reihe von Aufgaben, um die Hybridnutzung im Medienalltag fest zu etablieren. Das fängt an mit einer einheitlichen Taste an der Fernbedienung zum Einstieg in die Web-Welt, reicht über ein einheitliches Konzept für den Aufruf von Applikationen – vergleichbar den Teletext-Tasten – und endet bei der Reduktion auf wenige Basistechnologien für Hybrid- TV sowie eine möglichst breite Basis für Standardtechnologien wie HbbTV. Eines scheint aber klar zu sein: Aufhalten kann diese Technologie keiner mehr.

01.05.2010 | Beitrag erstellt von Jürgen Sewczyk in standpunkt,television
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Tags: hybrid-tv, internet, multimedia, television Views: 2191

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