Ihre Arbeit geschieht im Hintergrund, aber ohne sie könnte kein Film entstehen: Postproduktionsunternehmen geben Filmen den letzten Schliff – durch den Schnitt, bei der Vertonung und mit der digitalen Bildnachbearbeitung. Nie zuvor wurden so viele Animationen und Effekte in Film und Fernsehen verwendet wie heute. Zur Postproduktion eines Films gehören außer dem Schnitt auch die digitale Nachbearbeitung der Bilder sowie ihr Vertonen und Unterlegen mit Musik. Der Bedeutungsgewinn solcher Verfahren hängt mit moderner Software und digitalen Technologien zusammen, die mehr können und weniger kosten als jemals zuvor. Hinzu kommt die wachsende Akzeptanz von High Definition (HD) und 3D-Darstellung. Die Szene ist mittlerweile breit gefächert, da die Arbeitsabläufe in der Postproduktion sehr unterschiedlich sein können – je nachdem welches Material bearbeitet wird und wie groß der Anteil an computergenerierten Effekten ist (Computer Generated Imagery: CG I beziehungsweise Visual Effects).

Virtuell ist kostengünstig

Nordrhein-Westfalen ist nicht nur ein wichtiger Standort für TV-Stationen und Produzenten, sondern auch für Postproduktionen. Eines der wichtigsten Unternehmen in diesem Bereich ist die Pictorion das werk GmbH mit acht Niederlassungen in ganz Deutschland. Bei Pictorion Ruhrsound in Dortmund wurde beispielsweise der Knef-Film „Hilde“ vertont. Bedeutend sind auch die beiden Studios Act und Headquarter mit Sitz in Köln. Act-Geschäftsführer Robert Groß sieht sich als hundertprozentigen Full-Service-Anbieter. „Wir möchten möglichst früh in die Projekte involviert sein, angefangen bei den Postproduktionsplanungen bis hin zu den jeweiligen Derivaten, ob Film oder TV“, lautet seine Devise. Groß und sein Team können den kompletten Arbeitsablauf auf digitalem Weg und hochauflösend durchführen. Wenn es um Farbkorrekturen geht, gehören die Kölner ebenfalls mit zu den ersten Adressen der Branche. Für die soeben fertiggestellte Dokumentationsreihe „Das Weltreich der Deutschen“ kamen auch externe Spezialisten zum Einsatz, um künstlich generierte Szenen in die Aufnahmen zu integrieren.  

Spezialist fürs Simulieren

Vor allem das künstliche Erzeugen virtueller Menschenmassen ist seit einiger Zeit bei Film, TV und Werbung ein häufig benutztes Stilmittel, das via Postproduktion deutlich günstiger ist als die Arbeit mit Komparsen. Spezialist für solche Crowd Simulations ist das Unternehmen Locomotion. Die Firma hat in Düsseldorf eine eigene Softwareanwendung entwickelt, mit der unterschiedlich gekleidete Menschenmassen praktisch per Knopfdruck generiert werden können. „Die Software erlaubt die individuelle Kontrolle über jedes Objekt. Durch Applikationen kann das Tool beliebig erweitert und dadurch so komplex gestaltet werden, wie es das jeweilige Projekt erfordert“, erläutert Anke Laudien, die bei Locomotion den Bereich Creative Services/Production verantwortet. Ihr Team ist außerdem gefragt, wenn es um Werbefilme geht, beispielsweise für eine Massenszene in einem Schokoriegel-Spot, bei dem unzählige unbekleidete Menschen von den Rängen eines Stadions auf die Spielfläche stürmen. Auch RTL beauftragt die Düsseldorfer Spezialisten – etwa mit Sequenzen, in denen Tausende Fans der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) zusammenströmen, um das DSDS-Logo zu formieren. Die sinkenden Kosten von Rechnern und Software bieten inzwischen auch kleinen Unternehmen profitable Nischen. Eine dieser Firmen ist die Kölner Agentur Industriesauger-TV. „Die Entwicklung im Softwarebereich hat es speziell uns, als kleinem Postproduktionshaus, erst ermöglicht, in Bereiche wie Postproduktion für Kinofilme vorzudringen“, freut sich Geschäftsführer Martin Ziebell. Entscheidend sei auch eine immer schneller werdende Hardware, die seit etwa zwei Jahren auch die Bearbeitung und das Rendern von 2K-Bildern in einer vernünftigen Zeit ohne ein großes Rechnersystem erlaube. Industriesauger-TV war unter anderem gemeinsam mit der Torus GmbH und der HeadQuarter GmbH an der Postproduktion des in Venedig preisgekrönten Films „Lebanon“ beteiligt (siehe Artikel „Internationales Kino: Grenzenloses Koproduzieren“).

HD und 3D als Herausforderung

Zurzeit stellen aktuelle HD- und 3D-Produktionen viele Firmen vor neue Herausforderungen. So hat etwa die Runge TV GmbH kürzlich fünf HDfähige Schnittplätze angeschafft. „Mittelfristig ist diese Umstellung sicherlich ein Muss für alle die Postproduktionsfirmen, die auch zukünftig eine Rolle spielen möchten“, erklärt Geschäftsführer Rudolf Runge den großen Investitionsbedarf. Und auch der daran anschließende Schritt scheint schon vorprogrammiert: „3D wird nach der Einführung von HD der nächste Hype werden“, sagt Industriesauger-TV-Chef Ziebell voraus.

01.05.2010 | Beitrag erstellt von Wilfried Urbe in film
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Tags: produktion, qualität Views: 2350

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