Die 3D-Technik soll nach dem Kino nun auch das Wohnzimmer erobern. Medien- und Elektronikkonzerne hoffen auf den großen Durchbruch des 3D-TV. Dreidimensional wirkende Fernsehbilder sollen raumgreifende Videowelten bieten und der Branche zu einem Wachstumsschub verhelfen.
Spätestens seit dem Erfolg des Kinoknüllers „Avatar“ (20th Century Fox), der mit mehr als 2,6 Milliarden Dollar Einnahmen alle anderen Hollywood- Produktionen in den Schatten stellte, herrscht in der Medienbranche Aufbruchstimmung. Die dritte Dimension der Geschichte über blauhäutige Außerirdische aus Pandora bescherte Regisseur David Cameron und Rupert Murdochs News Corporation boomendes Blockbuster-Business.

Am Ende dürfte ein Gewinn von etwa einer Milliarde Dollar (740 Millionen Euro) übrig bleiben, ermittelte die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. Die 3D-Technik hat der Kinobranche ein Rekordjahr beschert. Kein Wunder, dass Manager aus den Bereichen Fernsehen und Unterhaltungselektronik hoffen, die Faszination der dritten Dimension könnte bald auch Wohnzimmer-Entertainmentwelten in einen Tiefenrausch versetzen.

Optimistische Prognosen

Alles scheint möglich: 3D-Flatscreens und -Beamer, 3D-Blu-Ray-Player und -Camcorder, 3D-Spielkonsolen und -Videospiele für den PC. Bei der Leitmesse Consumer Electronics Show (CE S) in Las Vegas und der CeBIT in Hannover gehörte der Bereich 3D zu den wichtigsten Themen. Im vergangenen Jahr wurden in den USA bereits erste TV-Geräte mit der 3D-Technik verkauft. In diesem Jahr sollen nach Prognosen des Branchenverbandes Consumer Electronics Association (CEA ) mehr als vier Millionen weitere Monitore abgesetzt werden, die den Zuschauern dreidimensionale Televisionen ermöglichen. Bereits in drei Jahren, so schätzt CEA -Chefökonom Shawn DuBravac, könnte in den USA jedes vierte verkaufte TV-Gerät 3D-tauglich sein. Die Marktforscher des Display Research Laboratory rechnen für das Jahr 2018 mit einem 3D-TVWeltmarktvolumen in Höhe von 15 Milliarden Euro.

Das US-Marktforschungsunternehmen iSuppli sagt bis 2015 ein jährliches Wachstum von achtzig Prozent für 3D-Endgeräte voraus. Sony, Samsung, Toshiba, LG Electronics und Panasonic haben Milliardenbeträge investiert und zählen zu denen, die als erste Hersteller 3D-fähige TV-Geräte auf den Markt gebracht haben oder es in Kürze tun wollen. Während die meisten Anbieter auf die Flüssigkristalltechnik LCD (Liquid Crystal Display) setzen, stellte Panasonic bereits vor zwei Jahren die Weichen zugunsten der Plasmatechnologie. Diese Lösung gilt zwar als teurer und bedeutet einen größeren Stromverbrauch. Dafür aber sollen schnelle Reaktionszeiten, eine gleichmäßigere Ausleuchtung sowie eine höhere Bildauflösung bei den Full-HD-3D-Plasmadisplays eine bessere Qualität ermöglichen.

Spezialbrille erforderlich

Ähnlich wie das Publikum im 3D-Kino (siehe Artikel „3D-Kino: Die Renaissance der dritten Kino-Dimension“ im medienforum.magazin 1/2009) benötigen auch die TV-Zuschauer für das Entdecken der dritten Dimension eine spezielle Brille. 3D-Fernsehgeräte zeigen die mit zwei dicht nebeneinander postierten Kameraobjektiven aufgenommenen Bilder nämlich in rascher Folge aus zwei unterschiedlichen Perspektiven (Stereoskopie). Um die Illusion räumlicher Wahrnehmung herzustellen, muss abwechselnd ein Blickwinkel für das rechte und einer für das linke Auge geboten werden. Sogenannte Shutter-Brillen, in deren Gläsern Flüssigkristalle stecken, sorgen deshalb dafür, dass synchron zur Bildübertragung jeweils immer das passende Auge abgedeckt wird. Ohne Brille sehen Zuschauer alle 3D-Abbildungen doppelt, weil jedes Auge zugleich die Bilder des linken und rechten Kameraobjektivs wahrnimmt. Moderne 3D-Geräte zeigen inzwischen bis zu 240 Einzelbilder pro Sekunde, also 120 pro Auge. Die Synchronisation zwischen Bildschirm und Brille erfolgt über einen Infrarotsensor.

Entscheidend für die Akzeptanz der dreidimensionalen TV-Zukunft dürfte das Inhalteangebot werden. Walt Disneys Sport-Spartensender ESPN soll im Sommer pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft einen eigenen 3DFernsehkanal starten und dabei einige WM-Paarungen übertragen. ESPN verspricht, innerhalb eines Jahres mindestens 85 Sportereignisse in 3DQualität zu senden. Sony hat gemeinsam mit Discovery Communications und der IMA X Corporation für 2011 den ersten TV-Kanal mit ausschließlich dreidimensionalen Programmen angekündigt, und auch der US-Satellitenfernsehanbieter DirecTV plant ein ähnliches Angebot (zwei 3D-Kanäle plus Video on Demand). In Korea kooperiert LG Electronics mit dem Satellitenanbieter Skylife, und in Großbritannien stattet Murdochs Pay- TV-Kanal BSkyB zurzeit Pubs mit 3D-Screens aus, um Fußball-Liveübertragungen in neuer Qualität anbieten zu können. Im kommenden Jahr soll dann via Satellit auch Privathaushalten ein 3D-Abonnement für Spielfilme, Dokumentationen etc. angeboten werden. Die BBC will die 3D-Technik in größerem Umfang erstmals bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London einsetzen.

Experimente und Improvisation

In Deutschland reichte es bislang nur zu wenigen Tests und einer Art Generalprobe: Am 14. März demonstrierte Sky einem exklusiven Zuschauerkreis von etwa 120 Prominenten und Experten erstmals die Liveübertragung eines Fußballspiels in 3D-Qualität (Bayer Leverkusen gegen Hamburger SV). Der Satellitenbetreiber SES Astra will im Mai einen schon vor längerer Zeit geplanten 3D-Demokanal in Betrieb nehmen. Wer als Kunde von seinem Flatscreen Dreidimensionales erwartet, der sollte darauf achten, dass Blu-Ray-Spieler und 3D-Fernsehgerät miteinander kompatibel sind. Die Blu-Ray Disc Association einigte sich im vergangenen Dezember zwar auf einen gemeinsamen 3DSpeicherstandard. Dennoch lassen sich die Endgeräte unterschiedlicher Hersteller nicht in jedem Fall so miteinander verbinden, dass auch Speichermedien abgerufen werden können. Noch wird an vielen Stellen experimentiert und improvisiert, was einheitliche Formate verhindert. Philips will im Sommer die Umrüstung bereits ausgelieferter Fernsehgeräte ermöglichen. Sony macht die Playstation 3 per Software- Update für dreidimensionale Videowelten fit.

Revolution mit Hindernissen

Toshiba plant, ab Herbst sogar 3D-Flachbildschirme mit Cell-Multimediaprozessoren anzubieten, die zweidimensionale Signale in dreidimensionale Bilder umwandeln sollen. Mit der Qualität einer Blu-Ray-DVD aber werden die 3D-TV-Bilder trotz aller Hightech-Bemühungen vorerst nicht mithalten können. Als Flaschenhals bei der Signalübertragung erweisen sich vor allem Übertragungstechnik und Decoder. Deshalb rechnen Experten damit, dass die Auflösung von TV-Programmen zunächst nur etwa ein Viertel des Wertes von Blu-Ray-DVDs erreichen wird. Schließlich müssen für die Stereoskopie doppelt so viele Bilder wie bislang übermittelt werden, die komprimiert und dann über einen gemeinsamen Kanal übertragen werden.

Die TV-Programmanbieter freuen sich bereits, dass Filme wegen der komplizierten 3D-Technik künftig nicht mehr ohne Weiteres kopiert werden können. Der dreidimensionale Tiefenrausch sorgt bei einigen Filmfreaks deshalb für Ernüchterung. Erkennungszeichen der 3D-Pioniergemeinde wird die Shutter-Brille sein, die viele Zuschauer allerdings nicht als angenehm empfinden. Einige klagten bereits über Schwindelgefühle oder Unwohlsein. Außerdem fehlt dem optischen Hilfsmittel noch eine Regulierbarkeit für unterschiedliche Sehstärken, sodass Brillenträger zusätzlich die eigene Sehhilfe aufsetzen müssen. Wer ohne Shutter-Brille auskommen will, muss sich noch gedulden: Die Fraunhofer-Gesellschaft tüftelt an einer speziellen Bildschirmoberfläche, die eine 3D-Brille überflüssig machen soll. Auch ein im vergangenen Oktober von Hitachi vorgestellter Bildschirmprototyp namens Full Parallax 3D TV verheißt echte 3D-Bilder – ebenfalls ohne Spezialbrille, aber mit einer Wirkung wie aus der Tiefe des Raumes. Experten schätzen allerdings, dass solche Verfahren frühestens in fünf bis zehn Jahren serienreif sein werden.


Dr. Matthias Kurp

STANDPUNKT // GUTE CHANCEN FÜR 3D-BLOCKBUSTER IM WOHNZIMMER

Wolfgang Elsäßer

Seit dem großen Erfolg von Avatar und den Ankündigungen der Unterhaltungselektronikhersteller auf der Messe CES im Januar in Las Vegas ist das Thema 3D fast allgegenwärtig. Kein Wunder: Wer 3D selbst im Kino erlebt hat oder das Glück hatte, einen 3D-Showcase zu sehen, der ist begeistert.


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01.05.2010 | Beitrag erstellt von redaktion in television
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Tags: 3d, multimedia, produktion, television Views: 2329

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