Standpunkt zum Artikel Finanzinvestoren // Über Risiken und Nebenwirkungen
Von Götz Mäuser, Aufsichtsratsvorsitzender ProSiebenSat1 Media AG und für den Medienbereich Verantwortlicher Partner bei Permira

Die teilweise sehr emotionale und auf Halbwissen beruhende Debatte der vergangenen Monate konnte dort, wo Fakten geschaffen wurden, wie im Falle des DLM-Gutachtens zur Rolle von Finanzinvestoren, zum Teil erheblich versachlicht werden. Trotzdem wird nach wie vor die Geschäftsentwicklung bei ProSiebenSat.1 ursächlich den Geschäftspraktiken der Investoren zugeschrieben. Das Geschäftsmodell der Investoren sei Gift für eine TV- Gruppe, wird fälschlicherweise kolportiert.

 

Das Geschäftsmodell von Private-Equity- Unternehmen – und im Fall von Permira und KKR bei ProSiebenSat.1 im Besonderen – lässt sich kurz formuliert als das Investieren in Unternehmen, die erhebliches Wertentwicklungspotenzial haben, beschreiben. Folgeinvestitionen in organisches und nicht-organisches Wachstum sind die Regel, flankiert von Effizienzmaßnahmen.

Nach einer Entwicklungszeit von drei bis sieben Jahren profitiert das Unternehmen in der Regel von einer nachhaltig gesteigerten Performance. Dabei agieren Private Equity Fonds stets mit eigenem eingesetzten Kapital – nicht selten in Milliardenhöhe. Jede Maßnahme, den Wert des Unternehmens zu reduzieren, würde in der Folge auch konsequenterweise das eingesetzte Eigenkapital gefährden. So viel zur Klarstellung der Fakten, für die es aus einer mehr als 20-jährigen Historie viele positive Beispiele gibt.

Die gleiche Strategie verfolgen Permira und KKR auch bei ProSiebenSat.1. Mit dem Zukauf der SBS-Senderfamilie und der damit verbundenen Internationalisierung hat sich ProSiebenSat.1 eine starke Marktposition in Europa aufgebaut, die weiteres Wachstum forcieren wird und es ProSiebenSat.1 ermöglicht, künftig bei der Konsolidierung in Europa eine entscheidende Rolle übernehmen zu können. Wie wichtig und richtig dies ist, zeigt sich gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation: Die Geschäftsentwicklung der ProSiebenSat.1 Group ist im ersten Halbjahr 2008 durch das deutsche Free-TV-Geschäft beeinträchtigt. Die Gründe dafür sind hinreichend analysiert, und die Probleme werden abgearbeitet.

Die Führung des für das operative Geschäft verantwortlichen Vorstands hat langfristig Ziele bestimmt und die Strategie klar ausgerichtet. ProSiebenSat.1 wird sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren, z. B. durch Investitionen in Top- Programme und neue Serienentwicklungen für Sat.1, Movies wie „Der Bibelcode“ für ProSieben und die Erweiterung des Portfolios durch neue Sender wie FEM in Norwegen oder Puls 4 in Österreich.

Es wird in weiteres Wachstum investiert, und die Diversifikationsaktivitäten insbesondere im Online-Bereich werden weiter ausgebaut, z. B. durch die Akquisition von fem.com, Autoplenum.de oder wer-weiss-was.de. Die Digitalisierung der Gruppe wird vorangetrieben: Gemeinsam mit IBM wird eine volldigitale Plattform für die Sendergruppe geschaffen, N24 wird auf eine neue technologische Plattform gehoben und zur multimedialen Marke weiterentwickelt. Das Portfolio des Konzerns wird fokussiert zugeschnitten, Randaktivitäten wie C More oder Veronika werden verkauft, um zur Senkung der Finanzverbindlichkeiten des Konzerns beizutragen, aber auch um eine effektivere Konzernaufstellung zu erreichen.

Die ProSiebenSat.1 Group verfügt über genügend finanziellen Spielraum für ihre weitere strategische und operative Entwicklung. Das belegen die Investitionen, die getätigt werden. Das belegen auch die Programminvestitionen mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Euro im Jahr. Als einziger vollständig integrierter europäischer Medienkonzern ist ProSiebenSat.1 in der Lage, über Landesgrenzen hinweg kreatives Potenzial im Programmbereich effizient zu nutzen und Größenvorteile in zahlreichen Bereichen zu realisieren.

Es gibt nur zwei Mediengruppen mit einer starken multinationalen Präsenz in Europa. ProSiebenSat.1 mit einem fest verankerten Standort in Deutschland ist eine davon und kann die fortschreitende Konsolidierung des europäischen Mediensektors mitgestalten und von ihr profitieren.

 

01.10.2008 | Beitrag erstellt von Götz Mäuser in specials,standpunkt
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Tags: finanzierung Views: 1205

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