Standpunkt zum Artikel FFG NOVELLE // WER BEZAHLT DEN DIGITALEN ROLL-OUT?

Von Joachim Ortmanns, Vorstand des film und fernseh produzentenverband nrw e.v.

Die aktuelle Diskussion über die anstehende Novellierung des Filmförderungsgesetzes (FFG) ist maßgeblich durch den so genannten „Digital Rollout“ geprägt. Es geht um die Finanzierung der digitalen Umrüstung, aber auch um grundsätzliche Auswirkungen auf die Kinolandschaft.

Für die Finanzierung dürfen keinesfalls, wie teilweise gefordert, Projekt- oder Referenzfördermittel ‚abgezweigt’ werden. Auf diese Weise würden genau die Mittel gekürzt, die die Herstellung von Kinofilmen erst ermöglichen. Vielmehr ist eine konzertierte Aktion von Verleihern und Kinobetreibern im Zusammenspiel mit einer vorstellbaren Digitalisierungshilfe von Produzentenseite (diese Aufwendungen würden im Produktionsbudget berücksichtigt) und einer staatlichen Sonderfinanzierung nötig. 

Wichtig ist, dass sich für Arthouse-Kinos keine Wettbewerbsnachteile ergeben. Diese in der Regel kleineren und umsatzschwächeren Kinos treffen die Umstellungskosten besonders hart. Arthouse-Kino- Betreiber betonen deshalb die Gefahr, dass am Ende eines den freien Marktgesetzen überlassenen Prozesses Hollywood-Produktionen dominieren und deutsche sowie europäische Produktionen auf der Strecke bleiben könnten. Bedroht wären darüber hinaus auch die Kinos in kleinen Orten und die so genannten Sonderformen wie kommunale Kinos, Uni- und Schulkinos etc. Daher ist bei der Digitalisierung der Kinos ein offener Standard notwendig, dessen technische Normen für alle gelten und zugänglich sind. 

Aber es geht auch um Einnahmen, die der FFA zur Verfügung stehen. Gibt es im Rahmen der digitalen Plattformen neue Verwerter, die mit der Nutzung von Kinofilmen Umsatz generieren, so müssen sie auch zu Einzahlern werden. Dies gilt auch für Spartensender, die sich imagefördernd gerne mit dem Kino-Mythos schmücken, ohne sich aber an den Zahlungen an die FFA zu beteiligen. 

Bei den neuen digitalen Verwertungsformen muss klar definiert werden, welche Rechte zu welchem Preis verhandelt werden. So ist bei der Rechte-Einräumung gegenüber TV-Sendern genau auf die unterschiedliche rechtliche Einordnung der verschiedenen digitalen Verwertungsformen zu achten. Dabei muss das Recht der Weitervermarktung (VoD, Electronic-sell-through) von den klassischen Senderechten, die auch neue digitale Verwertungsformen wie Streaming und Simulcasting erfassen, unterschieden werden. Gerade im Kinofilm-Bereich muss der Produzent Rechte behalten, die im Zuge der neuen Auswertungsformen auch Gegenstand der Verhandlungen mit Verleihern sind.

Die Reduzierung der erfolgsorientierten Referenzfilmförderung im aktuellen Referentenentwurf ist Anlass für Unmut. Die mit der letzten FFG-Novellierung eingeführten Festivalpunkte bleiben zu Recht ein wichtiges Kriterium, um die Wertigkeit eines Films über Zuschauerzahlen hinaus zu manifestieren. Leider gibt es Versuche, den Stellenwert von Festivalerfolgen durch eine Reduzierung der in Frage kommenden Festivals zu schwächen. Filmische Qualität aber ist nicht vordergründig an Zuschauerzahlen messbar, so sehr sich das einige Mainstream- Produzenten auch wünschen.

Wenn Preisträger internationaler Festivals im Bereich der Referenzfilmförderung mangels Zuschauermasse benachteiligt werden, so ist das schon jetzt nicht akzeptabel. 

Starke Filmländer wie Frankreich kennen keine Schwelle, sondern belohnen den Produzenten gleich ab dem ersten Zuschauer. Dieses Modell wäre auch für Deutschland wünschenswert. Eine sinnvolle Modifikation für die anstehende Novellierung wäre, dass für Filme, die auf Festivals nennenswerte Erfolge verzeichnen, die Referenzschwelle gesenkt wird – ebenso für Filme mit Prädikat. 

Um unabhängige und eher mittelständische Filmproduzenten zu stärken, sollte sich die Höhe der erforderlichen Eigenmittel bzw. Eigenanteile dynamisch zu den Budgetgrößen verhalten. Dies bedeutet, dass für geringere Budgets auch der zu Grunde gelegte Prozentsatz des Eigenanteils reduziert werden sollte. 

31.03.2008 | Beitrag erstellt von Joachim Ortmanns in film,standpunkt
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Tags: finanzierung Views: 1202

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