Standpunkt zum Artikel ZEITUNGEN IM INTERNET // TESTFALL FÜR HYBRIDE BERICHTERSTATTUNG
Von Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger

Mit dem Internet haben uns auch völlig neue Darstellungsformen erreicht: Blogs, Wikis und die vielfältigen Informationsnetzwerke jenseits des klassischen  Journalismus. Dank Internet und digitaler Technik tragen Leser, Hörer, Zuschauer, Nutzer immer mehr und immer intensiver zum täglichen Neuigkeiten-Angebot bei. Längst kommen die Nachrichten nicht mehr allein von Presse und Rundfunk. Das Verhältnis zwischen Publikum und Medien hat sich gewandelt: Immer öfter werden Leser zu Schreibern.

Die Zeitungen sollten diese Veränderungen der Informationskultur als Chance begreifen, neue Wege zum Publikum zu finden. Doch gibt es auch klare Grenzen: Nichts gegen den Idealismus der Blogger; ihre Produkte wirken durchaus auch als zusätzliches Korrektiv. Journalismus braucht die kritische öffentliche Auseinandersetzung. Doch die immer wieder zu hörende These, dass im Internet jeder Journalist sein kann, dass wir uns gar auf dem Weg in eine „redaktionelle Gesellschaft“ befinden, empfinde ich als naiv.

Der pure Vorgang des Veröffentlichens ist kein Journalismus, hier von „Bürgerjournalismus“ zu sprechen, ist Etikettenschwindel. Blogs, Wikis, der so genannte User Generated Content – bei all dem geht es zunächst um subjektive Perspektiven. Es fehlt generell die Qualitätsprüfung. Relevante Inhalte generieren, strukturieren, aufbereiten und die Debatten in verschiedenen Lebensbereichen moderieren – von der Politik und Wirtschaft über das Feuilleton bis zum Sport, das ist ein kompliziertes Handwerk, das nur von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten erledigt werden kann.

Anders als in den USA spielen Blogs und Bürgerjournalismus in Deutschland bis heute keine große Rolle. Selbst professionell gemachte Blogs genießen überregional nur einen geringen Bekanntheitsgrad. Dabei lesen die Nutzer, wie Studien zeigen, noch deutlich häufiger, was andere in ihren Internettagebüchern geschrieben haben, als selbst einen eigenen Blog zu betreiben. An einem mangelnden Zugang zum Internet kann dies nicht liegen: Mittlerweile sind gut sechzig Prozent der Deutschen über 14 Jahren regelmäßig online. Wissenschaftler erklären dies Phänomen vielmehr mit der großen Dichte zuverlässiger lokaler Information durch die deutschen Tageszeitungen – gedruckt, online oder mobil. Ein schöneres Kompliment kann man der Zeitungsbranche kaum machen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid vom September 2007. Danach vertraut nur jeder fünfte Deutsche dem Internet. Hingegen steht die Lokalzeitung in punkto Vertrauen für die Menschen hierzulande an erster Stelle. Sechzig Prozent der Deutschen verlassen sich vor allem auf die Inhalte ihrer heimatlichen Zeitung. Im Vergleich der untersuchten Medien folgen der öffentlich- rechtliche Hörfunk (53 Prozent), das öffentlich-rechtliche Fernsehen (52 Prozent), Zeitschriften (35 Prozent), privater Hörfunk (31 Prozent) und privates Fernsehen (26 Prozent).

31.10.2007 | Beitrag erstellt von Helmut Heinen in publishing,standpunkt
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Tags: zeitung, presse, nachrichten, internet, qualität Views: 1334

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