Werner Lauff, Medienberater und Publizist
Werner Lauff, Medienberater und Publizist

Standpunkt zum Artikel: Kampf um Marktanteile // Herausforderung Quotenmessung
Von Werner Lauff; Medienberater, Publizist und Moderator mehrerer Panel beim 19 medienforum.nrw

Sender, ob privat oder öffentlich-rechtlich, wissen es längst: Je breitbandiger das Internet wird, desto stärker nimmt die Zahl klassischer, traditioneller Fernsehzuschauer ab – es entsteht eine neue Generation „fortschrittlicher Nutzer“.

Ein „traditioneller Zuschauer“, das ist einer, der vor allem über sein TV-Gerät fernsieht, eine begrenzte Zahl von Kanälen mag und oft ein festes Zeitbudget für Fernsehen hat. Idealtypisch liest ein solcher „TV-Traditionalist“ eine Programmzeitschrift, er sieht gezielt und zappt auch gelegentlich, er liebt einfache Interaktion (Videotext zum Beispiel), er bevorzugt Teleshopping gegenüber E-Commerce, er möchte eine „Programmabfolge“, er will auf seinem Bildschirm formatfüllendes Fernsehen, er erwartet stets hohe Bildund Tonqualität, er zahlt, wenn überhaupt, für Zusatzangebote nur dann, wenn dies seinen Komfort erhöht und Optionen schafft (Beispiele: Premiere-Abo, Kabel- Zusatz-Paket) – und er ist ganz überwiegend passiver Nutzer.

Der „fortschrittliche Zuschauer“ („Gruppe 2“) ist nicht etwa das komplette Gegenteil, aber er sieht nicht nur auf dem TV-Gerät, sondern auch auf anderen Endgeräten fern, er wählt aus viel mehr Kanälen und Quellen aus, er hat ein variables Zeitbudget (Nicht-Nutzung inbegriffen), er findet Inhalte durch elektronische Programmführer (also EPG), Internet und Print, er „selektiert“ und „programmiert“ (digitale Videorecorder beispielsweise), er interessiert sich auch für anspruchsvolle Interaktion, er bevorzugt E-Commerce gegenüber Teleshopping, er erwartet vor allem journalistische Angebote – nicht notwendig ein „Programm“ –, er akzeptiert kleinere Bildschirme und Zusatzdienste zum Fernsehen, er ist auch mit angepasster Qualität zufrieden (Inhalt und Nutzen sind ihm wichtiger), er zahlt lieber spontan als dauerhaft, er will Sofort-Nutzen (nicht Langfrist-Optionen) und trägt teilweise sogar selbst inhaltlich mit Videos zum Fernsehen bei, etwa bei YouTube.

Beim 19. medienforum.nrw wird es daher auch um zwei zentrale Fragen- Komplexe gehen:

  1. Was bedeutet dieser neue „Digital Divide“ für klassische Fernsehsender? Wie können und sollen sie reagieren? Erste Antworten gibt es schon: Seinen Videodienst Maxdome veranstaltet ProSiebenSat.1 ausschließlich im Internet. Und für Spartensender ist das parallele Streamen im Netz fast schon der Regelfall.
  2. Wie empfänglich ist die „Gruppe 2“ für Fernsehen „aus dem Internet“, vor allem für komplette Angebote wie beispielsweise Joost, dem neuen Fernsehdienst der Skype- und Kazaa- Gründer Niklas Zennström und Janus Friis? Könnte es sein, dass DSL-IPTV ein Flop wird, weil es für die einen zu technisch und für die anderen zu langweilig ist?

Ist das World Wide Web für die „Gruppe 2“ vielleicht viel spannender als 75 Programme im „walled garden“ der „letzten Meile“? Und wenn das so ist: Wie sollen sich Deutschlands Sender, Produzenten und Netzbetreiber verhalten? Fragen, die perspektivisch klingen; doch für DSL- und Kabelanbieter, die in IPTV investieren, sind sie brandaktuell.

20.03.2007 | Beitrag erstellt von Werner Lauff in standpunkt,television
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Tags: werbung Views: 1440

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