Standpunkt // Filme über Grenzen bringen

Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW
Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW

Standpunkt zum Artikel: Globale Spielräume entdecken
Von Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW


Seit fünfzig Jahren gibt es die Europäische Union, gerade hat sie in Berlin ihren Geburtstag gefeiert, ein Krieg im Alten Europa ist gar nicht mehr vorstellbar, die Binnen- Grenzen haben ihre Funktionen verloren. Dennoch scheinen diese Grenzen für den Film immer noch zu existieren. Nicht auf der Herstellungsseite, da wächst die Zahl der internationalen Koproduktionen.

Das Problem sind die Leinwände. Schaut man in das aktuelle Kinoprogramm europäischer Metropolen ist dort von der Vielfalt des europäischen Films nicht viel wiederzufinden. In Paris, Rom, London, Madrid, Warschau oder auch Kopenhagen sucht der Kinobesucher die Produktionen seiner europäischen Nachbarn meist vergeblich. Das Angebot wird dominiert von Hollywood-Ware und – zumindest das ist erfreulich – zunehmend von einheimischen Produktionen. Doch warum ist es so schwer, diese Begeisterung für die eigenen Filme zu exportieren?

Der deutsche Film beispielsweise erlebt auf internationalen Festivals derzeit ein enormes Interesse. Die Oscars für Link und von Donnersmarck sind gute Zeichen, das US-Remake von „Bella Martha“ auch. Die Weltvertriebe bestätigen die Nachfrage nach Filmen „made in Germany“, und auch deutsche Schauspieler und Regisseure werden zunehmend im Ausland gebucht. Vielleicht sind es tatsächlich die Menschen in und hinter den Filmen, die – außer der Verbesserung der grenzüberschreitenden Distributionsförderung – als Grenzöffner funktionieren können. Wenn eine Veronica Ferres, ein Daniel Brühl oder auch ein Tom Tykwer in Frankreich nicht mehr unerkannt an der Seine flanieren können, werden die Franzosen ihre Filme sehen wollen, ganz gleich, ob diese aus Frankreich, Deutschland, Irland oder Italien kommen. Es gab eine Zeit, da hatten europäische Filme im Repertoire deutscher Kinos einen festen Platz. Da wollen wir wieder hin, und wir wollen, dass deutsche Filme auch in Paris, Rom, Warschau oder Kopenhagen ganz selbstverständlich auf dem Spielplan stehen.

Einen Schritt dorthin macht die Filmstiftung NRW beim Internationalen Filmkongress des 19. medienforum.nrw. Wir reden über die Beweggründe für internationale Koproduktionen, die Neugierde auf europäische Filme bei unseren Nachbarn, die Arbeit der Weltvertriebe und die ersten Monate des neuen deutschen Filmfonds, der mit seinen sechzig Millionen Euro jährlich explizit auch große Koproduktionen nach Deutschland locken soll.

Mit unserem Koproduktionstreffen „Made in NRW“ bringen wir neue Projekte auf den Weg, und damit das nicht alles zu theoretisch bleibt, zeigen wir in unseren Kino- Specials zahlreiche nationale und internationale Produktionen – und darunter sind dann auch Filme unserer europäischen Nachbarn.    

20.03.2007 | Beitrag erstellt von Michael Schmid-Ospach in film,standpunkt
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Tags: qualität, finanzierung Views: 1919

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