Standpunkt zum Artikel Communities im Web 2.0 // "Second Life" mit Lizenz zum Gelddrucken?
Von Dr. Gernot Gehrke, Geschäftsführer LfM Nova GmbH

Dass Prognosen besonders schwierig sind, wenn sie die Zukunft betreffen, damit hat uns Niels Bohr bekannt gemacht. Und damit, dass ein Hufeisen über der Tür auch dann Glück bringen kann, wenn man nicht daran glaubt. Nur eine Methode zur sicheren Modellierung von Zukunft, die hat uns der Physik-Nobelpreisträger nicht hinterlassen. Den Status quo weiterdenken, ihn quasi in die Zukunft zu projizieren, hilft ebenso wenig wie Glaskugel oder Kaffeesatz. Wir haben uns für das 19. medienforum.nrw etwas ganz Altmodisches ausgedacht. Wir wollen miteinander über die Zukunft der Mediengesellschaft reden.

 

Wer die aktuellen Prognosen zur Entwicklung des Internet in Zeiten des Web 2.0 liest, wird das Gefühl des „Déjà vu“ nicht los. Wir sind mitten im Hype und wir reiben uns verwundert die Augen: Sind sie nun doch aktiv, die Nutzenden? Nie mehr konsumieren, nur noch aktiv mitgestalten? Das Ende vom Medienkonsum, wie wir ihn kannten? Jede Euphorie hat ihre Bremser. Alles schon mal da gewesen, raunen die und mahnen die erneute Entdeckung der Langsamkeit an. Nur nichts überstürzen, Kind und Bad getrennt halten. 

Wer sich da warum und wie äußert, ist oft nur schwer zu durchschauen. Und mit welchem Ergebnis wir uns am Ende befassen müssen, noch viel mehr. Gerade nehmen die ersten Zeitungen, Radio- und Fernsehsender in Second Life ihren Betrieb auf. Werden sie ihr Publikum finden? Werden Sie Kunden haben, die Werbung schalten und das Programm finanzieren? Wird es etwas wie ein Gebührenmodell für besonders wertvolle Inhalte geben, das die Gemeinschaft finanziert? 

Wir stehen vor einem schönen Laborversuch. Und können uns schon heute fragen: Werden wir es am Ende mit zwei Mediengesellschaften zu tun haben – jener, die wir für real halten und einer zweiten, von der wir wissen, dass sie virtuell ist, aber ganz reale Auswirkungen hat? Oder werden wir in einem Jahr den Kopf schütteln über so viele durchgegangene Pferde?

Ein Workshop soll helfen, Szenarien zu formulieren und zu diskutieren. Wir werden unterschiedliche Entwürfe von Mediengesellschaft der Zukunft nebeneinanderstellen – Theorien des Möglichen entwickeln lassen. Wir wollen wissen, welcher Strategie die Unternehmen und Konzerne, die Entwickler und Programmierer, die Sender und Produzenten folgen wollen oder müssen, an welchen Leitbildern sie sich orientieren, wie sie sich „aufstellen“ im Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Und wir wollen nach der Bedeutung und dem Wert von Regeln fragen. Können Medien auch in Zukunft etwas sollen, außer Geld zu verdienen? Können sie etwas leisten, worauf eine Gesellschaft nicht verzichten mag und was nicht an jeder Ecke von „Second Life“ bereitsteht? Klingt altmodisch – und neu. Es wird spannend! Und Dieter Gorny moderiert.

20.03.2007 | Beitrag erstellt von Dr. Gernot Gehrke in digital,standpunkt
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Tags: socialmedia, internet, datenschutz Views: 1202

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