Ab der Spielzeit 2013/2014 könnte es mit einem der wichtigsten Rituale der deutschen Fußball-Nation vorbei sein: der Free-TV-Übertragung von Bundesliga-Spielen am frühen Samstagabend. Das Bundeskartellamt hat am 13. Januar grünes Licht für die Vermarktungsmodelle der Deutschen Fußball Liga (DFL) gegeben. Nun könnte es passieren, dass künftig für alle, die kein Pay-TV-Abo haben, erste Bilder der Samstagspartien erst zu später Stunde im Free-TV zu sehen sind.

Mit seiner Entscheidung, die Pläne der DFL zur zentralen Vermarktung der Bundesliga-Lizenzen seien rechtlich nicht zu beanstanden, könnte das Bundeskartellamt eines der letzten ungeschriebenen Gesetze der Sportmedienwelt ins Wanken gebracht haben. Schließlich halten viele die Free-TV-Berichte über die Fußball-Bundesliga samstags vor 20 Uhr für ein elementares Grundrecht der deutschen Fan-Gemeinde. Die DFL aber kann sich auch eine alternative Vermarktung ihrer TV-Rechte an den Partien der ersten und zweiten Liga vorstellen. Ihr neues Ausschreibungsmodell sieht zwei Varianten vor: Entweder bleibt es bei einer Zusammenfassung der Höhepunkte aus den Samstagsspielen ab 18.30 Uhr im Free TV oder aber die Highlights werden zunächst über Web-TV im Internet oder über mobile Endgeräte gezeigt. Sollte auf diese Weise nicht nur der Ball, sondern auch die Bundesliga ins Netz gehen, könnte die Free-TV-Berichterstattung frühestens um 21.45 Uhr beginnen.

ARD fürchtet um die Sportschau

Die ARD reagierte enttäuscht auf die Entscheidung des Bundeskartellamtes. „Diese Entscheidung ist nicht im Sinne der Zuschauerinnen und Zuschauer. Denn sie birgt die Gefahr, dass die DFL mit einer Erstausstrahlung von Bildern des Bundesliga-Spieltages im Netz einen großen Teil des Publikums ausschließt“, sagte die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel. Vor allem in ländlichen Gebieten sei für viele das Internet kein Ersatz für das Fernsehen, weil es dort häufig an breitbandigen Zugängen mangle. „Ich setze auf die Vernunft der Vereine und der DFL, bei der Vergabe darauf zu achten, dass der Bundesliga-Fußball auch weiterhin eine Verbreitung erfährt, die seiner gesellschaftlichen Bedeutung und Verantwortung gerecht wird“, forderte der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, die DFL dazu auf, die bewährte Form der Zusammenarbeit beizubehalten. Andernfalls könnte die Sportschau schnell an Bedeutung verlieren.

Die Deutsche Fußball Liga erhofft sich von dem neuen Verbreitungsweg vor allem eines: mehr Geld. Derzeit zahlen Sky, ARD und ZDF zusammen etwa 420 Millionen Euro pro Saison, wobei Sky für die Live-Rechte mit 275 Millionen Euro den größten Teil aufbringen muss. Die ARD überweist fast hundert Millionen Euro pro Saison an die DFL, das ZDF etwa dreißig Millionen. Weitere 25 Millionen Euro muss die Telekom pro Spielzeit für die Online-Rechte ausgeben. Bieten künftig weitere Akteure wie etwa Yahoo oder Vodafone, die beide Interesse signalisiert haben, mit, dürfte der Preis weiter steigen. Schon heute kassiert die DFL für die Bewegtbilder-Rechte pro Spielzeit eine Summe, die fast 25 Mal höher als noch vor etwa zwei Jahrzehnten liegt.

Faires Vergabeverfahren gefordert

Parallel zur Prüfung durch das Bundeskartellamt erklärte auch die EU-Kommission ihre Zustimmung zu den zentral vermarkteten neuen Ausschreibungsmodellen. Die DFL hat für alle Interessenten einen „Procedure Letter“ verfasst, der den Zeitplan sowie die Regelungen für die Durchführung des Bieterverfahrens festlegt. Das Bundeskartellamt hat die DFL zur Durchführung eines „fairen, transparenten und diskriminierungsfreien Vergabeverfahrens“ verpflichtet.

Ob die Rechnung der DFL aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die etwa fünf Millionen Zuschauer, die zurzeit samstags die ARD Sportschau einschalten, dürften sich online nicht erreichen lassen. Schließlich hat es noch kein Sportereignis weltweit geschafft, gleichzeitig so viele Nutzer per Internetstream zu binden. Sinkt aber die Reichweite, verliert für die Sponsoren der Clubs die Banden- und Trikotwerbung an Attraktivität. Nicht zu unterschätzen sind auch die möglichen Reaktionen der Fans: Als Sat.1 im Jahr 2001 versuchte, Bundesliga-Bilder im Sportmagazin ran erst nach 20 Uhr auszustrahlen, um Kirchs Pay-TV-Angebot Premiere attraktiver zu machen, ernteten die verantwortlichen wütende Fan-Proteste. Am Ende intervenierten sogar zahlreiche Politiker, so dass schließlich doch wieder Free-TV-Bilder bereits vor 20 Uhr zu sehen waren.

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20.01.2012 | Beitrag erstellt von redaktion in digital,television
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