07.04.2011 | Beitrag erstellt von redaktion in mefo inside


Ehrlich: Ich liebe Fernsehserien – natürlich nur die guten. Ich habe, bisweilen atemlos, zwei Staffeln Sarah Lund verfolgt, habe Im Angesicht des Verbrechens gebangt. Ich entdeckte meine Liebe zu Boardwalk Empire, zu Mad Men, Weeds und The Good Wife. Beim Festival Großes Fernsehen zeigen wir einmal im Jahr an vier Tagen Fernsehprogramme, die in Deutschland bislang nicht zu sehen waren. Wir sparen uns die Jury, einen Direktor und Preise und konzentrieren uns ganz auf die Fernsehprogramme. Serien gehören dazu und sind über die Jahre zu einem immer wichtiger werdenden Bestandteil dieses Festivals geworden. Mad Men hatte seine Deutschlandpremiere bei Großes Fernsehen in Köln, Pushing Daisies ebenso wie In Treatment, Dirty Sexy Money, Leverage oder Hustle.

Eine wichtige Frage hat die Vorführungen dieser teilweise tatsächlich grandiosen und vielfach prämierten Programme immer wieder begleitet und stellt sich immer wieder neu: Wo liegt der Unterschied, der am Ende den Unterschied macht? Sind es die Regisseure, Produzenten, die Geschichten, die Darsteller, die Ausstattung, Schnitt, Musik oder Licht? Ich glaube, dass dort, wo ein Konzept erkennbar wird, wo mit Bedacht komponiert, mit Liebe zum Detail, einer Vorstellung von der Entwicklung der Geschichten und der sie tragenden Figuren gearbeitet  wird, Gesamtkunstwerke entstehen können.
Mindestens die beiden ersten Staffeln von Grey’s Anatomy etwa habe ich als eine solche Arbeit empfunden. Mir hat vor allem imponiert, wie es Shonda Rhimes gelungen ist, Figuren zu entwickeln, mit Farbigkeit und Musik eine unverwechselbare Stimmung zu erzeugen, dem Erzählen einen Rhythmus zu geben. Mad Men hat mich fasziniert, seit ich den Vorspann der Serie zum ersten Mal sah, von dem für mich eine ganz besondere Anziehungskraft ausgeht. Dirty Sexy Money, das nun endlich auf ZDFneo zu sehen sein wird, braucht gefühlt maximal drei Minuten, um eine wirklich komplizierte Familienstruktur und das Grundthema der Serie mit dem fabelhaften Peter Krause zu erklären und den Einstieg in die Serie zu schaffen.

Können wir in Deutschland so etwa auch? Diese Frage haben wir uns schon häufiger auf dem Medienforum.NRW gestellt und von Experten beantworten lassen. Dominik Graf hat gezeigt, dass und wie es geht. Warum ausgerechnet ein Land wie Dänemark Sarah Lund mit den Bordmitteln des dänischen Rundfunks ohne externe Produktionsgesellschaft realisieren konnte, bleibt für mich ein kleines Geheimnis. Aber auch jenseits von Graf finden sich, wenn auch mit anderem Gepräge, schöne Beispiele für die Kunst der Serie: Doctor’s Diary gehört für mich dazu und „der“ sehr gelungene Mord mit Aussicht.

In Köln stellen wir Ihnen im Mai einige neue vor - welche, werden sie in Kürze auf der dann neuen Website www.grosses-fernsehen.de erfahren. Und beim Medienforum.NRW im Juni wollen wir die Macht der Serie als Teil des Kongresses wieder neu vermessen.
Und welches sind Ihre Favoriten?

Gernot Gehrke

07.04.2011 | Beitrag erstellt von redaktion in mefo inside
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Tags: grosses fernsehen, television Views: 1122

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