Inmitten der Äcker und Wiesen zwischen Spormecke, Hülscheid und Heedfeld steht der Mobilfunkmast Schalksmühle-Heedfeld. Von hier versorgen gleich mehrere Unternehmen die Handys ihrer Kunden in den umliegenden Ortschaften. Wenn nicht gerade einer der Bauern sein Feld bestellt, ist es hier menschenleer. Nur gelegentlich besucht ein Wartungstechniker den Standort. Vor kurzem wurde dieser jedoch für zwei Tage zum Schauplatz ungewohnter Betriebsamkeit. Vertreter der Bundesnetzagentur (BNetzA), der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) und weiterer Organisationen hatten sich vor Ort mit umfangreicher technischer Ausrüstung eingefunden. Denn hier sollten Feldmessungen des neuen Mobilfunkstandards LTE (Long Term Evolution) stattfinden.

Am ersten Tag dieser Messungen stand die LTE-Basisstation selbst im Fokus. Die Bundesnetzagentur wollte deren Verhalten im Betrieb beobachten und dokumentieren. Dazu musste das entsprechende Signal direkt am Remote Radio Head abgenommen werden. Ein Remote Radio Head enthält (unter anderem) Sender, Empfänger und Spannungsversorgung und wird am Mobilfunkmast neben der Antenne montiert. Das bedeutet hier also eine Höhe von immerhin 40 Metern. Zwar wurde die Arbeit durch Temperaturen um drei Grad und teilweise erheblichen Nebel zusätzlich erschwert, dennoch konnte das Signal schlussendlich erfolgreich abgenommen werden. Während ihre Kollegen deshalb den Mast erklimmen mussten, waren weitere Mitarbeiter der BNetzA mit Messwagen unterwegs, um die exakte Ausbreitung der LTE-Zelle zu erfassen.

Den folgenden Tag nutzten die Teilnehmer dagegen in erster Linie für die Untersuchung von LTE-Endgeräten. Zentraler Messpunkt war dabei eine Grundschule in Sichtweite der Basisstation. Den ganzen Tag über wurden im Dachgeschoss zwei Modem-Prototypen des Herstellers Huawei betrieben. Auch die BNetzA hatte hier ihre umfangreiche Messausrüstung aufgebaut. Zusätzlich waren Mitarbeiter der Firma Metz vor Ort. Der fränkische Hersteller von Fernsehgeräten wollte den Einfluss von LTE auf den Empfang von DVB-T und DVB-C bei verschiedenen TV-Modellen ermitteln. Zeitgleich vermass ein Messwagen des APWPT e.V. (Berufsverband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie) die Reichweite der LTE-Signale im Feld. So sollte ermittelt werden, in welchem Abstand einer Basisstation es eventuell zu einer Beeinträchtigung von Funkmikrofonen kommen könnte.

Initiiert und organisiert wurden diese zwei Tage durch das LTE-Projekt NRW, das die gesamte LTE-Technik am Standort Schalksmühle-Heedfeld betreibt. Im Rahmen dieser öffentlichen Messungen hatten interessierte Unternehmen und Institutionen die Gelegenheit, eigene Messungen innerhalb einer LTE-Zelle durchzuführen. Inhalt und Umsetzung der Messungen konnten dabei von den Teilnehmern beliebig festgelegt werden. Das LTE-Projekt NRW unterstützte den Ablauf mit Zugriff auf Basisstation und Modems.

Für das LTE-Projekt NRW sind die Landesanstalt für Medien NRW, das Land Nordrhein-Westfalen, das Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmen Vodafone sowie der Westdeutsche Rundfunk eine Partnerschaft eingegangen. Das Projektbüro ist Teil der LfM Nova GmbH. Ziel des Projekts ist es, den neuen Mobilfunkstandard vor seinem kommerziellen Start in Feld- und Labormessungen eingehend zu untersuchen. Das Projekt ist der weltweit erste Feldversuch mit LTE im Frequenzbereich um 800 MHz. Dieser steht dem Mobilfunk durch die Digitalisierung der TV-Übertragung zur Verfügung und wird deshalb auch als Digitale Dividende bezeichnet. Wegen der Frequenznachbarschaft der Digitalen Dividende zu DVB-T befürchten zahlreiche Fernsehanbieter Bild- und Tonstörungen beim Empfang. Diese Störproblematik ist deshalb auch ein zentraler Aspekt des LTE-Projekts NRW.

Aus der Taufe gehoben wurde das Projekt im April 2009. Der eigentliche Feldmessbetrieb begann im November 2009 zunächst auf der Nordhelle, wo das Projekt eine weitere Basisstation betreibt. Der Teststandort Schalksmühle-Heedfeld wurde im August 2010 in Betrieb genommen.

Unter www.lte-projekt-nrw.de finden sich weitere Informationen zu LTE sowie zum Projekt. Darüber hinaus stehen auf der Website auch alle bisherigen Veröffentlichungen des Projekts zum Download bereit.

Marius Weber

Hintergrundinfo: Was ist LTE?

Die Abkürzung LTE steht für Long Term Evolution. Dahinter verbirgt sich ein neuer Mobilfunkstandard, der als Nachfolger von UMTS entwickelt wurde. Für Verbraucher sind vor allem die gesteigerten Datenraten interessant. Während HSPA+, die höchste Ausbaustufe von UMTS, Downloads mit höchstens 28 Mbit/s erlaubt, liegt die maximale Datenrate von LTE im Downlink bei 100 Mbit/s. Ein weiterer Vorteil von LTE ist die geringe Latenz von nur etwa 5 Millisekunden. Unter Latenz versteht man die Laufzeit eines Signals vom Sender zum Empfänger. Eine hohe Laufzeit stört besonders bei Echtzeit-Anwendungen wie Online-Spielen oder Internettelefonie.

In Deutschland wird LTE in zwei unterschiedlichen Frequenzbereichen eingeführt. Der Bereich um 2,6 GHz wird zur Versorgung von Ballungsgebieten eingesetzt. Hier existieren zwar bereits Pilotprojekte, konkrete Ausbaupläne haben die Mobilfunkbetreiber aber noch nicht bekannt gegeben.

Mit dem Bereich um 800 MHz muss dagegen zunächst der ländliche Raum erschlossen werden. Dazu haben sich die Telekom, O2 und Vodafone mit dem Erwerb der Nutzungsrechte verpflichtet. Bei allen drei Unternehmen läuft der Ausbau bereits auf Hochtouren. Dieser Frequenzbereich wird auch als Digitale Dividende bezeichnet, da er dem Mobilfunk aufgrund der Digitalisierung der TV-Übertragung zur Verfügung steht. Die Ausbreitungseigenschaften dieser Frequenzen erlauben die Abdeckung eines großen Gebietes mit verhältnismäßig wenigen Basisstationen und eigenen sich damit ideal für den ländlichen Raum. Allerdings liegen diese auch nahe an den Frequenzen von DVB-T und DVB-C, weshalb es im Regelbetrieb zu Störungen des TV-Empfangs kommen könnte.

21.12.2010 | Beitrag erstellt von team in digital,mefo inside
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Tags: lte, mobile media Views: 1337

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