Dr. Ralf Schäfer

Standpunkt zum Artikel 3D-TV // Tiefenrausch für Flachbildschirme?
Von Dr. Ralf Schäfer, Leiter der Abteilung Image Processing des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts


„In 3D kommt er noch besser!“, sagte Thomas D. zu Smudo, beide Sänger der Fantastischen Vier, als dieser bei der Generalprobe zur Live- 3D-Übertragung ihres Konzerts in Halle am 28. September einen uralten Witz zum Besten gab. Alles so schön neu hier? Erwecken wir das gute alte Fernsehen, das in letzter Zeit viel Kritik einstecken muss, zum Beispiel mit 3DFilmen und -Effekten zu neuem Leben? Oder bleibt dies eine Sache der Kinos?

In den Kinos ist 3D ja richtig durchgestartet. Neben vielen Blockbustern nun auch das erste Live-Konzert weltweit: Von der Bühne in Halle/ Saale über Satellit in 88 Kinos in fünf Ländern! Aus einer Club-Atmosphäre in eine große Arena mit insgesamt 35.000 Zuschauern! Und man fühlte sich wirklich live dabei – vom Abklatschen mit Smudo bis hin zum unvermeidlichen Hochspringen und Mitsingen. Solche Events könnten ein neues Business für – technisch gut ausgestattete – Kinos werden.

Auf der Aufnahmeseite für 3D-Live gibt es inzwischen einige Erfahrung: Kameraführung,  Dramaturgie, Live-Schnitt etc. müssen alle Beteiligten, einschließlich der Künstler, neu lernen. Innovative Technik unterstützt hier schon weitgehend – zum Beispiel der Stereoscopic Analyser (STAN), der die Kameras synchronisiert, Tiefenberechnungen anstellt etc.  

Immerhin blicken wir auf mehr als 15 Jahre Forschung und Erfahrung mit 3D-Systemen zurück. Wir lieben solche Events – die Fantastischen Vier live in 3D –, bei denen wir in ganz neuen Umgebungen uns vorab unkalkulierbaren Situationen stellen und sehen, wie hervorragend unsere Entwicklungen und die Menschen zusammenarbeiten.

Das Beispiel macht auch die neue 3D-Verwertungskette sichtbar: Das Live-Konzert wird es bald auf einer Blu-ray-Disc geben und vielleicht zukünftig über den Provider-Direktverkauf fürs Heimkino. Provider – ob Satellit oder Festnetz – pushen damit wiederum 3D.

Aber eigentlich arbeiten wir ja (auch) an 3DSystemen fürs Fernsehen! Wir stellen uns vor, dass zukünftig 3D-Filme direkt auf den heimischen Fernseher kommen. Das ist absehbar – es wird an Übertragungsstandards gearbeitet. Displays mit sehr hoher Auflösung werden für die Zeit ab 2011 erwartet und machen damit auch das brillenlose 3D-TV möglich, zu Consumer- Preisen vielleicht ab 2016. Denn daran führt mittelfristig kein Weg vorbei: im Kino mit Brille? Akzeptiert! Aber zu Hause oder am Arbeitsplatz? Da hat die 3D-Brille keine Zukunft.

Natürlich müssen wir noch einige Entwicklungsarbeit leisten. Einiges haben wir dafür bereits getan: zum Beispiel die Infrastruktur im Gigabitpro- Sekunde-Bereich, die Hardware, um große Datenmengen übertragen und verarbeiten zu können, die Standards für die Codierung von Videomaterial und schließlich auch 3D-Displays für die Darstellung ohne Brille.

10.12.2010 | Beitrag erstellt von Dr. Ralf Schäfer in standpunkt,television
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Tags: 3d, television Views: 1604

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