HDTV // SCHARFE BILDER UND NEUE GEBÜHREN

Flachbildfernseher

Das hochauflösende Fernsehen steht in Deutschland kurz vor dem Durchbruch: RTL, Vox sowie sieben Sky-Kanäle sind bereits in neuer Qualität zu sehen. Sat.1, ProSieben und Kabel 1 folgen im Januar, ARD und ZDF im Februar 2010. Außer einem einheitlichen Standard fehlen jetzt nur noch Haushalte mit HD-Receivern.

Das Thema High Definition Television (HDTV) sorgte in Deutschland zwei Jahrzehnte lang immer wieder für Schlagzeilen, Hoffnungen, Enttäuschungen (siehe Artikel „High Deficit statt High Definition Television“ im medienforum.magazin 1/2009) – und für erbitterte Expertendiskussionen. Nun scheint eine neue Runde eingeleitet worden zu sein. Als Armin Loos Anfang September im Rhein-Blog der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) über den „HDTV-Hype“ der Internationalen Funkausstellung in Berlin schrieb, ahnte der LfM-Bereichsleiter Technik noch nicht, was er damit auslöste. Nach seinen Ausführungen über die neue Spezifikation HD+ begann eine leidenschaftliche Auseinandersetzung zwischen Verbraucherschützern und Vertretern privatwirtschaftlicher TV-Programmanbieter. In einer teilweise sehr emotional geführten Debatte war unter anderem von „Negativpropaganda“, „kontrolliertem Verbraucherverhalten“, „Quotentrickserei“, „reinem Hohn“ und „Gängelung“ die Rede.

Neuer Standard HD+

Im Mittelpunkt des Streites um die HDTV-Zukunft in Deutschland steht die Verschlüsselung, mit der die Angebote von RTL, Vox, Sat.1, ProSieben und Kabel 1 über den Astra-Satelliten ausgestrahlt werden. Zu empfangen sind die Kanäle deshalb nur für solche Haushalte mit Receivern, die dem vom SES-Astra-Tochterunternehmen HD Plus vorgegebenen Standard entsprechen. Wer also beispielsweise über einen HDTV-Decoder des Pay-TV-Programmanbieters Sky verfügt, hat Pech und benötigt für die HD-Kanäle kommerzieller Free-TV-Anbieter eine weitere Set-Top-Box.

Bis zum Jahresende sollen sechs HD+-Receiver von den Herstellern Humax, Technisat, Technotrend Görler sowie Videoweb erhältlich sein. Kunden, die nicht mindestens 199 Euro für eine neue Set-Top-Box ausgeben wollen und über ein Empfangsgerät verfügen, das den CI-Plus-Standard verwendet, sollen dieses demnächst mit einem Modul HD+-tauglich aufrüsten können, heißt es in einer Pressemitteilung von HD Plus. Ab 2010 sollen auch TV-Bildschirme mit integrierten CI-Plus-Empfangsteilen, wie sie von Loewe, Metz, Samsung und Sony angeboten werden, HD+-fähig sein. „Kein Gerät wird unbrauchbar“, verspricht der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen TV-Plattform, André Prahl. Ermöglichen sollen dies sogenannte Legacy-Module, die zur Nachrüstung auf den CI-Plus-Standard angeboten werden. Die Buchstaben CI gelten als Kürzel für Common Interface und beschreiben eine Schnittstelle für digitale TV-Systeme. Die Spezifikation CI Plus wurde von Panasonic, Philips, Samsung und Sony sowie den Modulherstellern SmarDTV/Nagravision und Neotion entwickelt.

Servicegebühr als „TV-Maut“

Mit den Kosten für einen neuen HDTV-Receiver oder für Legacy-Module aber ist es nicht getan. Wer Sendungen von RTL, Vox, Sat.1, ProSieben oder Kabel 1 in brillanter Qualität sehen will, muss dafür nach dem Ablauf des ersten Jahres zahlen. Lädt man seine Smartcard nämlich im Anschluss nicht auf, sind nur noch die öffentlich-rechtlichen Programme oder der Kanal Anixe HD in hochauflösender Qualität zu empfangen. Der nach einem Jahr fällige „Jahresbeitrag“ liegt bei fünfzig Euro und soll, so beteuert HD-Plus-Geschäftsführer Wilfried Urner, künftig auch dann nicht erhöht werden, wenn zu RTL, Vox, Sat.1, ProSieben und Kabel 1 noch weitere HD-Kanäle hinzukommen.

HD+-Kritiker warnen, aus dem Free-TV werde demnächst ein Pay-TV light oder ein „Bezahl-TV durch die Hintertür“ (Der Spiegel). „Die neue TV-Maut“, so lautete eine Schlagzeile im Handelsblatt. „Aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW versuchen die werbefinanzierten Privatsender derzeit ein zweites Mal, in Kooperation mit Astra eine zweite Finanzierungsquelle für ihr Geschäft zu etablieren“, erinnerte Verbraucherschützer Rolf Dahlmann im Rhein-Blog an das vom Kartellamt vor drei Jahren unterbundene entavio-Projekt (siehe Artikel „Satte Renditen mit Satelliten?“ im medienforum.magazin 2/2006 und „Entavio versucht den Restart“ im medienforum.magazin 2/2007). Die Programmanbieter hingegen betonen, bei den fünfzig Euro pro Jahr handle es sich nicht um eine Programmgebühr, sondern lediglich um eine Servicegebühr oder -pauschale, wie sie ähnlich auch Kunden der Kabelnetzbetreiber zahlen müssten. Schließlich verursache die Verbreitung von HDTV-Signalen zusätzliche Kosten, für die etwa bei den öffentlich-rechtlichen Programmanbietern in dieser Rundfunkgebührenperiode (2009 bis 2012) insgesamt 244 Millionen Euro eingeplant seien. SES Astra und die Free-TV-Anbieter wollen sich die Einnahmen aus der Servicepauschale übrigens teilen, verraten aber nicht, wer wie viel erhalten soll.

Gegen Kopien und Ad Skipping

Warum aber müssen die HD-Programme eigentlich verschlüsselt werden? SES Astra sowie die Verantwortlichen der Mediengruppe RTL und der ProSiebenSat.1 AG geben an, die Verschlüsselung diene als ein vor allem von der Filmindustrie geforderter Kopierschutz, damit Signale nicht unkontrolliert vervielfältigt und verbreitet werden können. Die CI-Plus-Schnittstelle gibt deshalb Bild- und Ton-Informationen nur verschlüsselt an TV-Geräte weiter, sodass sie auch nur kodiert auf Festplatten oder Videorecordern gespeichert werden können. Falls unerlaubte Mitschnitte festgestellt werden, lassen sich Receiver sogar von Programmanbietern automatisch stilllegen.

Für den Verbraucher aber hat CI Plus vor allem Nachteile: So ermöglichen entsprechende Endgeräte zum Beispiel nicht, das RTL-Programm anzusehen und gleichzeitig eine ARD-Sendung aufzuzeichnen. Für die Programmanbieter allerdings ist es dank CI Plus kein Problem, einzelne Sendungen komplett vor Aufzeichnungen zu schützen oder nur eine zeitlich begrenzte Wiedergabe von aufgezeichneten Inhalten zuzulassen.

Mit den HD+-Geräten können Sendungen zwar aufgenommen, anschließend aber nur in „Echtzeit“ abgespielt werden. Das bedeutet, dass Werbung nicht übersprungen werden kann („Ad Skipping“). Auch die Weitergabe von Aufnahmen an zusätzliche Endgeräte ist wegen des Kopierschutzes nicht möglich. Die HD+-Allianz steht nun vor der Herausforderung, die neue Technik so anzupreisen, dass sich die Verbraucher weder von den zusätzlichen Kosten noch von den eingeschränkten Kopiermöglichkeiten abschrecken lassen. Noch gibt es in Deutschland zwar mehr als 17 Millionen Flat-Screens, doch nur etwa 600.000 Haushalte verfügen über HD-fähige Receiver, wovon durchschnittlich jeder zweite bei Sky-Kunden steht. Erst Ende des Jahres könnte bei den HD-Empfängern endlich die Milliongrenze überschritten werden.

Quelle: GFU

Verunsicherte Verbraucher

Eine um den Faktor fünf bessere Bildauflösung, mehr Schärfe und optimierte Farbwiedergabe: All das soll der HDTV-Entwicklung in Deutschland nach Jahren der Stagnation den entscheidenden Schub geben. Dass die Fan-Gemeinde allmählich wächst, liegt auch am wachsenden Angebot und an gezielten PR-Aktionen. Sky sendet seit dem vergangenen Sommer sieben HD-Kanäle und machte vor Kurzem mit einer Werbekampagne vor mehr als 200 Elektronikfachmärkten Station. Auch die Telekom lockt Kunden, indem sie über ihr breitbandiges VDSL-Netz hochauflösende Fernsehbilder (Liga total und MTV NHD) für das IPTV-Paket Entertain ausstrahlt. Alle drei Anbieter – also HD+, Sky und die Telekom – aber setzen auf unterschiedliche Standards. Das macht die Vermarktung nicht gerade leichter, weil viele Verbraucher verunsichert werden.

Die öffentlich-rechtlichen Anbieter werden im Februar zum Start der Olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver mit dem HD-Regelbetrieb beginnen. Anders als die private Konkurrenz setzen ARD und ZDF allerdings einen unverschlüsselten HD-Standard ein, der für das Publikum im Vergleich zum normalen Programm keine Limitierungen bedeutet. Auch bei Sky-Programmen ist die Aufzeichnung von Sendungen problemlos möglich. Marcello Maggioni, Senior Vice President Sales & Marketing bei Sky Deutschland, verweist nur allzu gerne darauf, für den Pay-TV-Kanal komme eine Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten nicht infrage, da seine Kunden unter anderem dafür bezahlten, dass sie ein hohes Maß an eigener Kontrolle über das Programm erhalten.

Kabelnetze als HD-Engpass

„Ohne HD+ könnten sich die privaten Free-TV-Veranstalter ein HDTV-Angebot nicht erlauben. Also: Ohne HD+ bleibt dem Verbraucher ein ‚Mehr‘ an HDTV-Angeboten vorenthalten“, schrieb die Geschäftsführerin des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Ursula K. Adelt, im Rhein-Blog. Die privatwirtschaftlichen Programmanbieter erhoffen sich zusätzliche Einnahmen, wollen aber vor allem durch die Verhinderung von Ad Skipping ihre Werbeerlöse sichern. Die HD+-Marketing-Experten spekulieren nun darauf, dass sie die Kunden während des zunächst noch gebührenfreien zwölfmonatigen Nutzungszeitraums vom Mehrwert des hochauflösenden Fernsehens überzeugen können. Die anschließend anfallenden Einnahmen von fünfzig Euro pro Jahr und Receiver-Smartcard sollen später helfen, die hohen Produktions- und Verbreitungskosten für HDTV zu refinanzieren.

Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland, geht davon aus, dass in einem Jahr mehr als zwanzig HD-Programme über den Satelliten Astra Ost 19,2° ausgestrahlt werden. In den Kabelnetzen hingegen zeichnet sich in Sachen HDTV schon wieder eine Hängepartie ab. Die HD-Kanäle von Sky sind derzeit zwar immerhin in sechzig Prozent aller deutschen Kabelhaushalte empfangbar, und auch Kabel BW bemüht sich um HD-Qualität im eigenen Netz. Darüber hinaus aber müssen die meisten Kabelhaushalte noch auf ein breites Spektrum an HD-Kanälen verzichten. Die Kabel Deutschland GmbH (KDG) möchte bei den TV-Programmanbietern für die HD-Einspeisung Gebühren durchsetzen. Auch Unitymedia verhandelt noch mit den großen Senderfamilien – das Ende all dieser Bestrebungen ist allerdings noch offen.

Fernsehen mit der dritten Dimension

Im kommenden Jahr wollen sowohl Sony als auch Panasonic Fernsehgeräte auf den europäischen Markt bringen, die dreidimensionales HDTV ermöglichen. Das Fernsehen mit der dritten Dimension wird – ähnlich wie beim Kino (siehe Artikel „Die Renaissance der dritten Kinodimension“ im medienforum.magazin 1/2009) – durch die sogenannte Stereoskopie möglich.

Für die 3D-Technik werden alle Bilder mit zwei Kameras aufgenommen, die im mittleren Augenabstand montiert sein müssen. 3D-Fernsehgeräte zeigen dann beispielsweise 48 Bilder pro Sekunde abwechselnd für das rechte und das linke Auge. Zusammengesetzt werden diese Bilder schließlich mithilfe von speziellen 3D-Brillen.

Bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin zeigte auch LG Electronics ein 3D-Gerät. Konkurrent Hyundai produziert bereits für den japanischen Markt.

HDTV-Konkurrenz: 720p contra 1080i

Zurzeit werden in Deutschland zwei unterschiedliche HDTV-Standards verwendet. Die privatwirtschaftlichen Anbieter von TV-Programmen setzen auf die Variante 1080i, bei der 1.080 Zeilen mit jeweils 1.920 Bildpunkten abgebildet werden. Allerdings werden dabei fünfzig Mal pro Sekunde nur jeweils die geraden oder ungeraden Bildzeilen neu aufgebaut. Dieses Halbbildverfahren („interlaced“), das auch als Zeilensprungtechnik bezeichnet wird, wurde für das PAL-System des analogen Fernsehens entwickelt. Während sich bei einer Bildröhre die aus dem Halbbildverfahren resultierenden Bewegungsunschärfen kaum bemerkbar machen, führen sie auf den modernen Flachbildschirmen bei der Abbildung schneller Bildveränderungen (Sport, Laufschrift) hingegen zu einer Art Schattenbildung.

ARD und ZDF setzen auf den digitalen Standard 720p. Dabei werden auf 720 Zeilen insgesamt 1.280 Bildpunkte abgebildet. Die geringere Auflösung lässt sich aber dadurch ausgleichen, dass fünfzig Mal pro Sekunde das TV-Bild komplett neu aufgebaut wird („progressive“). Dadurch werden Bewegungsunschärfen vermieden.

Der optimale HDTV-Standard bietet fünfzig Mal pro Sekunde eine Auflösung von 1.080 mal 1.920 Pixeln ohne Zeilensprung. Diese Qualität findet sich beispielsweise auf Bluray-Discs. Für die Fernsehübertragung aber gelten die aus der enormen Datenmenge resultierenden Kosten noch als zu hoch.

Dr. Matthias Kurp

07.11.2009 | Beitrag erstellt von redaktion in television
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Tags: hdtv, television Views: 2854

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  • 1 Kommentar(e)
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Doppelt bezahlen mit HD+

Inzwischen bauen sogar schon TV-Geräte-Hersteller Lesegeräte für HD+ Smartcards in ihre Geräte - damit der Zuschauer nur noch eine Karte kaufen/abonnieren muss! Die Zuschauen zahlen quasi doppelt einmal indem sie Werbung konsumieren und zum zweiten Mal für den Empfang der Werbung in HD. Wenn PayTV dann SKY - da bekommt man die HD Kanäle wenigstens auch thematisch getrennt.

01.07.2010 | 13:42 | Kommentar erstellt von Sat-Place  | Website: http://www.satplace.de

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