10.04.2009 | Beitrag erstellt von in digital
Mobiles Internet: Digitaler Datentransport im Handy-Sektor - magazin 1/09
Die neue Generation von Smartphones verhilft dem mobilen Internet zum Durchbruch. Vor allem das iPhone und neue Android-Modelle forcieren den Datenaustausch zwischen PC und Mobilfunkendgeräten. Berührungsbildschirme und bessere Browser bringen das World Wide Web aufs Handy-Display.
Das mobile Internet hat auch in Deutschland den Durchbruch geschafft: Ende vergangenen Jahres gab es bundesweit etwa 16 Millionen UMTS-Anschlüsse und damit etwa sechzig Prozent mehr als noch zwölf Monate zuvor. Der Umsatz mit mobilen Datendiensten stieg 2008 im Vergleich zum Vorjahr um etwa sieben Prozent auf 5,1 Milliarden Euro, wobei etwa die Hälfte aus Internet-Anwendungen resultierte. Den Rest steuerten Short Message Service (SMS) und Multimedia Messaging Service (MMS) bei. Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom gehört das Online-Surfen mit mobilen Endgeräten inzwischen bereits für mehr als zehn Millionen Deutsche zum Alltag.
Boom für den WWW-Datentransport
Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise wird das Geschäft in der Mobilfunkbranche in diesem Jahr erstmals seit 2001 merklich zurückgehen. Grund sind ein geringeres Gesprächsaufkommen – vor allem bei Telefonaten aus dem oder ins Ausland – und sinkende Tarife, die bereits in den vergangenen drei Jahren im Mobilfunksektor um etwa ein Fünftel reduziert wurden. Die Berater von Booz & Company gehen davon aus, dass sich der Preis für die Mobilfunkgesprächsminute in Deutschland bis Ende 2012 von derzeit durchschnittlich 13 Cent auf neun Cent verringern wird.
Deutliche Umsatzsteigerungen hingegen verspricht das mobile Internet im Handy-Sektor. Dieser Bereich, da sind sich Anbieter und Analysten einig, wird weiter an Bedeutung gewinnen. Bereits in den vergangenen drei Jahren, so rechnete die Deutsche Telekom AG aus, ist das Volumen des Datentransports via Handy in Deutschland um das 13-Fache gestiegen. Bei T-Mobile freute sich das Management im vergangenen Jahr über Steigerungen bei der Zahl der Datenkunden von bis zu 45 Prozent, wodurch sich das Datenvolumen mehr als verfünffachte.
Die Kunden, so lautet das Versprechen der Mobilfunkbranche, sollen überall, immer und mit unterschiedlichsten Endgeräten Zugriff auf das Internet und seine Communitys, die E-Mails und den Online-Terminkalender haben. Das Marktforschungsinstitut Nielsen ermittelte, dass in den Industrieländern etwa 71 Prozent der Mobilfunkkunden künftig mobile Datendienste mindestens einmal täglich in Anspruch nehmen wollen. Noch nutzen zum Beispiel bei T-Mobile nur 15 bis zwanzig Prozent der Kunden solche Möglichkeiten.
Mobiltelefon als Minicomputer
2009 soll der Umsatz mit mobilen Datendiensten in Deutschland nach einer Prognose des European Information Technology Observatory (Eito) um acht Prozent auf 5,5 Milliarden Euro steigen. Vodafone-Chef Vittorio Colao rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum des Datentransfers in den Mobilfunknetzen um etwa 19 Prozent. Georg Pölzl, der Sprecher der Geschäftsführung von T-Mobile Deutschland, geht für sein Unternehmen sogar von einem jährlichen Umsatzwachstum von „rund 32 Prozent“ aus. Kunden, die von einem herkömmlichen Handy auf ein Online-Smartphone umgestiegen seien, nutzten mobile Online- Anwendungen 17-mal häufiger als vorher, erklärte Pölzl.
Die Entwicklung des Mobiltelefons zum leistungsfähigen Minicomputer ist nicht mehr aufzuhalten. Moderne Smartphones sind Adressbuch, Terminkalender, Mini-TV-Gerät, Kamera, Navigationshilfe und Portal zur Online-Welt. Vor allem das von T-Mobile exklusiv vermarktete iPhone von Apple und die neuen Android- Handys von T-Mobile (G1) und Vodafone (HTC Magic) beschleunigen den Durchbruch klassischer Internet- Anwendungen im Mobile-Media- Bereich. Nutzer können dabei ihre Lieblingsangebote aus der Welt des World Wide Web als sogenannte Widgets auch per Handy nutzen.
Immer mehr Applikationen
Vor allem Apples App Store zeigt das enorme Spektrum der Möglichkeiten auf, die das mobile Internet erlaubt. Die mehr als 15.000 Anwendungsprogramme für das iPhone wurden nach Unternehmensangaben insgesamt schon häufiger als eine halbe Milliarde Mal heruntergeladen. In jeder Sekunde installieren iPhone-Nutzer weltweit demnach durchschnittlich 55 Anwendungen. Die Applikationen reichen vom Übersetzungsprogramm über Spiele, Börsennachrichten, Local Services und aktuelle Sportinformationen bis zu Status-Updates von Online-Communitys. Der App Store ist auch für die Netzbetreiber lukrativ: Schließlich nutzen iPhone-Besitzer etwa sechzig Prozent mehr Datendienste als die Eigentümer herkömmlicher Mobilfunkgeräte. Daraus resultiert für T-Mobile ein beträchtlicher Umsatz.
Endgeräte-Marktführer Nokia will in seinem neuen Ovi Store, der optisch stark dem App Store von Apples iTunes-Portal ähnelt, außer Spielen, Musik, Navigations- und E-Mail-Diensten jetzt auch Software anbieten. Bei dem für Juni angekündigten neuen Nokia-Touchscreen-Handy N97 (mit ausziehbarer Tastatur und 48-Gigabyte-Datenspeicher) soll die neue Applikationsplattform bereits vorinstalliert sein. Wie beim App Store können auch Dritte bei Nokias Softwaremarktplatz künftig Produkte anbieten, müssen dafür aber dreißig Prozent der Erlöse an den Plattformbetreiber abtreten. T-Mobile-Kunden sollen künftig ebenfalls Zugriff auf die Ovi-Dienste haben. Im Gegenzug öffnet Nokia die Tür zu T-Mobile-Widgets. Auch der Handy-Hersteller Samsung hat inzwischen einen eigenen Software- Shop gegründet.
Android-Offensive
Das norwegische Unternehmen Nokia kämpft um seine Position als Marktführer. Vor allem das Open- Source-Betriebssystem Android, eine von Google unterstützte Allianz von inzwischen mehr als vierzig Firmen der Mobilfunkbranche (siehe Artikel „Mobiles Internet vor dem Durchbruch“ im medienforum.magazin 1/2008), könnte Nokias Betriebssystem Symbian OS im Smartphone-Markt den Rang streitig machen. Android ist lizenzkostenfrei und ermöglicht es erstmals, Software für unterschiedliche Mobiltelefone ohne Anpassung an jedes einzelne Gerätemodell zu entwickeln. So können T-Mobile-Kunden mit dem Google-Handy G1 (siehe Artikel „Mit dem Handy ins World Wide Web“ im medienforum.magazin 2/2008) Hunderte Gratis-Spiele und -Anwendungen von einer Online-Bibliothek mit dem Namen Android Market herunterladen.
Nokia musste auf die sinkenden Marktanteile von Symbian reagieren und bietet das Betriebssystem inzwischen gebührenfrei an. Kostenlose Open-Source-Plattformen sollen den Wettbewerb bei den Applikationen weiter beflügeln. Lediglich für das Microsoft-Betriebssystem Windows Mobile müssen Handy- Hersteller noch zwischen acht und 14 Dollar Lizenzgebühr pro Endgerät zahlen. Die neue Version von Windows Mobile (6.5) trägt den Namen Windows Phone, verfügt über einen optimierten Web-Browser und soll es ermöglichen – ähnlich wie beim Dienst MobileMe von Apple –, Daten auf dem Handy mit dem eigenen Computer abzugleichen. Allerdings eignet sich das Microsoft-Betriebssystem wegen seiner komplexen Struktur und der vielen Unterpunkte seiner Menüführung nicht allzu gut für die Bedienung per Finger auf einem kleinen Smartphone- Touchscreen. Ein wesentlicher Vorteil des Systems von Microsoft liegt darin, dass es kostenlos sein soll, während Apple für MobileMe eine Gebühr verlangt.
Datentransport immer schneller
Die neue Smartphone-Generation macht das Handy-Display zum Fenster für die Welt des World Wide Web. Weil die Mobilfunkverbindungen immer schneller werden, lassen sich auf die Handys auch komplexere Online-Angebote übertragen. Das UMTS-Übertragungsverfahren HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) ermöglicht in einigen Regionen schon heute Transportgeschwindigkeiten von bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde. Telecom Italia will demnächst mit HSDPA+ sogar Bandbreiten von 26 Megabit pro Sekunde beim Download und 5,7 Megabit pro Sekunde beim Upload ermöglichen.
Schon für das kommende Jahr werden die ersten Netze erwartet, die auf der Basis des UMTS-Nachfolgeverfahrens LTE (Long Term Evolution) Übertragungsbandbreiten von mehr als hundert Megabit pro Sekunde zulassen. Die LTE-Technologie ist im Vergleich zu UMTS weniger störanfällig und ermöglicht entweder größere Reichweiten oder höhere Durchsatzgeschwindigkeiten. Die Bundesnetzagentur will noch in diesem Jahr entsprechende Lizenzen im 1,8- und 2,6-Gigahertz-Bereich vergeben, die ein größeres Frequenzspektrum als die vor acht Jahren versteigerten UMTS-Kapazitäten ausmachen. Ab 2015 soll die vierte Mobilfunkgeneration namens 4G sogar Bandbreiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde aufweisen.
Neue Smartphone-Hersteller
Das lukrative Geschäft mit dem mobilen Internet hat längst auch Produzenten von PC und Notebooks auf den Plan gerufen. Immer mehr Hersteller bieten Notebooks mit integriertem UM TS-Modul an. Außerdem lassen sich Laptop oder Notebook über ein UMTS-Handy sowie per UMTS-Karte, -Box oder -Stick mit dem Internet verbinden. Chip-Produzent Intel entwickelt zurzeit Prozessoren, die fast so leistungsstark wie Computerchips, aber deutlich kleiner sind, sodass sie auch in Smartphones passen.
Einige Notebook-Hersteller sehen sich deshalb gezwungen, ihre Margen zu schützen, indem sie selbst ins Handy-Geschäft einsteigen. Notebook-Marktführer Acer will in fünf Jahren einen Smartphone-Marktanteil von etwa zwanzig Prozent erreichen. Der taiwanesische Konkurrent Asus, der mit dem Eee PC bereits ein erfolgreiches Netbook etablierte, kooperiert mit dem Navigationsgerätespezialisten Garmin, um den Mobilfunkmarkt zu erobern.
10.04.2009 | Beitrag erstellt von in digital
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