Standpunkt zum Artikel Hightech fürs Handy // Mobiles Internet vor dem Durchbruch

Von Dr. Ulrich Schmitz, Leiter des Geschäftsfeldes Telekommunikation/Mobile der Axel Springer AG

 

Dieser Standpunkt handelt von einer Selbstverständlichkeit: Information, Unterhaltung und Zeitvertreib unterwegs. Seit mehr als 150 Jahren sind Zeitungen und Zeitschriften allgegenwärtige mobile Medien mit News, Entertainment und Casual Games – um Dinge wie Nachrichten, Klatsch oder Sudoku im Onliner-Slang zu benennen.

 

Mit dem Internet wurden die Inhalte multimedialer, vernetzter und aktueller, aber dafür eigentlich auch zur Immobilie. PCs stehen zumeist gut verdrahtet an festen Plätzen, und auch die wachsende Zahl der Laptops ändert wenig am Gesamtbild eines durchweg stationären Multimediakonsums. Emanzipiert vom Kabel hat sich dagegen das Kommunikationsverhalten. Stand das Telefon Mitte der 90er Jahre noch auf Kommode oder Schreibtisch und zwang zum Gespräch an diese Orte, so ist heute ein Leben ohne ein bis zwei empfangsbereite Handys kaum mehr vorstellbar.

Mit den meisten dieser etwa hundert Millionen aktiven Geräte im deutschen Markt lässt sich viel mehr tun als nur telefonieren. Zunehmend entdecken ihre Besitzer die interaktiven Funktionalitäten und möchten sie auch intensiver nutzen. Trotzdem sind wir von einem breiten Zugriff auf mobile Datendienste noch ein gutes Stück entfernt. Woran liegt das? Nach der kurzen unerfüllten WAP-Euphorie um das Jahr 2000 wurden mobile Inhalte mit Klingeltönen, SMS und vielleicht auch noch MMS gleichgesetzt. Wollte man mehr, so wurde es kompliziert. Unterschiedliche Bedienphilosophien und unangepasste Inhalte machten den Schritt in das mobile Web zu einem Abenteuer, das zudem durch Tarife aus der Datensteinzeit finanziell prekär enden konnte. Leider gehören diese Aspekte auch heute noch zu den größten Barrieren.

Aber die Zeiten ändern sich. Apple zeigt mit der Einführung des iPhone, dass es auch anders geht. Durch den Verzicht auf alles Kryptische gelingt der Webzugang im Handumdrehen. Und das zahlt sich aus. Nachrichtenportale, zum Beispiel WELT mobil, werden von iPhone-Nutzern etwa dreißigmal häufiger aufgerufen als von Besitzern anderer Endgeräte. Schade nur, dass das in so vielen Punkten bahnbrechende iPhone auf das UMTS-Netz verzichtet. Ein bisschen ist das so, als müsste man sich beim neuesten Computermodell mit einem Analog-Modem begnügen. Das gern kritisierte UMTS und seine Beschleuniger wie HSDPA sind das DSL des Mobilfunks und unverzichtbar wie die Breitbandanbindung zu Hause.

BILDmobil zeigt, was mit normalen Handys und niedrigen Tarifen möglich ist. Telefonieren kostet zehn Cent in alle Netze, und der Zugriff auf das Mobilportal von BILD ist völlig kostenfrei, übrigens in UMTS-Geschwindigkeit. Damit wird der Datenzugriff barrierefrei. Bereits kurz nach dem Start im Oktober vergangenen Jahres hat sich BILDmobil in punkto Reichweite an die Spitze der deutschen Mobilportale gesetzt und weist heute schon mehr als acht Millionen Seitenzugriffe pro Monat auf. Wer es kennt, möchte auf schnelle aktuelle Infos – von Nachrichten bis zur Wetter- Prognose – nicht mehr verzichten. Übrigens bleibt die Zeitung ein idealer Begleiter. Sie bringt Themen groß heraus, die an Ort und Stelle mobil vertieft werden können. Denn ein Handy ist immer dabei.

Die Beispiele zeigen, dass der Bedarf nach aktueller Information und interaktiver Unterhaltung unterwegs vorhanden ist. Sind die Hürden aus Tarif und Usability erst überwunden, steigt die Nutzung des mobilen Webs rasant an und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wie gesagt, dieser Standpunkt handelt von einer Selbstverständlichkeit. Oder wann waren Sie zum letzten Mal in einer Telefonzelle?

31.03.2008 | Beitrag erstellt von Dr. Ulrich Schmitz in digital,standpunkt
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Tags: internet, mobile Views: 1413

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