Standpunkt // Internet lange nicht ernst (genug) genommen

Standpunkt zum Artikel Online First // Zeitungs-Offensiven für das Internet
Von Andrea Schulz, Geschäftsführerin der artundweise GmbH und Leiterin d. Arbetskreises Zukunftstrends im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW)

Die Verlagslandschaft hat den zielgerichteten Ausbau ihrer Online-Plattformen in den zurückliegenden Jahren nur sehr zögerlich vorangetrieben. Erst seit einigen Monaten wird die Zurückhaltung aufgegeben und investiert. Ob der richtige Zeitpunkt dafür bereits verpasst ist, wird die Zukunft zeigen. Fakt ist: Zu lange hat das Gros der Verlagshäuser das Internet nicht ernst (genug) genommen. Oft wurden die Online-Kollegen von der Printredaktion belächelt – mit einigem Abstand dürfte dieses Lachen dem einen oder anderen heute im Hals stecken bleiben.

Während sich Verleger lange vor allem um ihr Printprodukt gekümmert und mit Tabloidformaten oder Layoutänderungen viel ausprobiert haben, wandert das für viele Blätter wichtige Kleinanzeigengeschäft immer schneller ins Internet. Auch inhaltlich hat man allzu bereitwillig anderen Portalen das Feld überlassen. Nur wenige waren bereit, eine separate Online-Berichterstattung zuzulassen. Echte Mehrwerte für die Online-Leser oder Abonnenten im Internet? Fehlanzeige! Und das, obwohl die nüchterne Analyse der Mediennutzungsgewohnheiten klare Indizien dafür liefert, dass etwa für die jüngeren Generationen das Internet inzwischen Informationsmedium Nummer eins ist. Gleichzeitig erobern die Online-Medien auch ältere Nutzer mit einem großen Interesse an Nachrichten aus dem Weltgeschehen oder regionaler und lokaler Art.

Auch wenn der Zug längst Richtung Zukunft fährt, für die Verlage besteht immer noch die Möglichkeit aufzuspringen. Die Angst vor einer Kannibalisierung von Print und Online dürfte angesichts der Verschiebung von Nutzer und Werbemarktanteilen zu Gunsten der Online-Medien überwunden sein. Tageszeitungen und Fachzeitschriften haben (noch) einen echten Vertrauens- und Bekanntheitsvorsprung, der genutzt werden muss.

Das Web 2.0 bietet gute Ansätze, echte Mehrwerte zu bieten. Mit den richtigen Konzepten lassen sich Leser (User!) einbinden und so letztlich verloren gegangene und völlig neue Kundenpotenziale erobern. Dabei werden Verlage allerdings gezwungen sein, sich nicht mehr allein von ihrem Printprodukt leiten zu lassen. Meinungsportale und Marktplätze regionaler (oder auch fachlicher) Färbung etwa sind vielversprechende Ansätze, mittel bis langfristig an den kontinuierlich steigenden E-Commerce- und Online- Werbeumsätzen zu partizipieren. Vorausgesetzt, dass man sich nach getaner Arbeit nicht wieder auf den eigenen Lorbeeren ausruht!

20.03.2007 | Beitrag erstellt von Andrea Schulz in publishing,standpunkt
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Tags: zeitung, presse, nachrichten, internet, qualität Views: 1372

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