Das junge Medium Podcasting entwickelt sich in viele Richtungen: Erst wurden nur Audio-Dateien erstellt, inzwischen gewinnen Videocasts an Beliebtheit. Längst verlassen Podcaster die Nische des Privaten. Die aktuellen Trends reichen vom Radio-Begleitprogramm bis zum PR-Instrument.  

Podcasts werden weltweit immer beliebter. Die akustischen oder audiovisuellen Mediendateien, die über das Internet angeboten und schließlich meist mit mobilen MP3-Playern angehört und geschaut werden, sind auf dem Weg, ein neues Massenmedium zu werden. Die Internet-Suchmaschine Google führte den Begriff Podcasting 2006 im Ranking der meistgesuchten Begriffe auf Rang vier.

 

Im deutschsprachigen Raum existieren mehr als 3.000 private Podcasts, die mindestens einmal pro Monat neue Folgen bieten. Insgesamt entstanden so bislang mehr als 200.000 Podcast- Sendungen, die meisten davon zu Computer- oder Wissenschaftsthemen, als Comedy- und News-Formate, Hörspiele oder einfach als moderne Audio- Tagebücher. Bei einer repräsentativen Befragung im Rahmen der ARD/ZDF-Online- Studie 2006 gaben im vergangenen Jahr sechs Prozent aller Internetnutzer an, Podcasts abzurufen. 

RSS forciert den Erfolg 

Ausschlaggebend für den Erfolg des neuen Mediums sind gleich mehrere Faktoren: Das erforderliche technische Equipment ist preiswert und leicht zu bedienen, Online-Nutzer können endlich eigene Hörfunk- oder TV-Programme erstellen, und die Dateien lassen sich mit Hilfe von Endgeräten wie Apples iPod orts- und zeitunabhängig rezipieren. Dank der RSS-Technologie können Hörer – im Fachjargon Podder genannt – Podcasts auch abonnieren. Dann erkennt der Online-PC, wenn eine neue Datei zur Verfügung steht und lädt sie automatisch herunter. Das macht Podcasting nicht nur für Entertainment und Zeitvertreib interessant, sondern auch für periodische News-Magazine oder für E-Learning. 

Die so genannten Caster veröffentlichen längst nicht nur Audiobeiträge, sondern auch kurze selbst produzierte Videofilme. Diese Videocasts („Vodcasts“) werden immer beliebter. Bekannteste Vodcasterin ist inzwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich seit Juni 2006 regelmäßig per Videobotschaft ans Wahlvolk wendet. 

Kommerzielle Nutzung 

Dass Videocasts mittlerweile auch kommerziell an Bedeutung gewinnen, machen die Portale MySpace und YouTube deutlich. Inzwischen haben es Ausschnitte daraus auch längst ins Fernsehen geschafft. Immer mehr Unternehmen setzen auf PR-Podcasting oder bieten privaten Podcastern Sponsoring an. Die Erlösmodelle für die Kommunikation mit den hör- und sehbaren Datei-Botschaften reichen von Banner- Werbung und Pauschalgebühren bis hin zur PR mit integrierten Gewinnspielen und Sponsoren-Hinweisen.

Inzwischen entdecken auch immer mehr Hörfunkstationen die Podcast-Technik, um Beiträge dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Das elektronische Online-Archiv wird dabei als sinnvolle Ergänzung der traditionellen Radioprogramme betrachtet. Ein Kannibalismus- Effekt, bei dem Podcasts klassischen Hörfunk verdrängen, wird bislang nicht befürchtet. 

Keine Konkurrenz fürs Radio? 

Die ARD befragte im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Nutzer ihrer Podcast- Angebote und stellte am Ende fest, „dass es keine konkurrierende Beziehung zwischen Podcasts und Radioprogrammen gibt“. Vielmehr würden Rundfunksendungen Orientierung bei der Suche nach Audio-Dateien geben. Dass Podcast-Fans nicht weniger Radio hören als früher, kann aber auch einfach daran liegen, dass sich ein großer Teil der Online-Gemeinde traditionell kaum für Hörfunk interessiert hat. Der „typische“ Podcast-Nutzer ist übrigens unter vierzig Jahre alt, formal höher gebildet und männlich.

Etwa achtzig Prozent aller Podcast- Nutzer rufen neue Dateien kontinuierlich ab, ergab die Befragung von ARD und ZDF. Durchschnittlich werden etwa acht verschiedene Angebote regelmäßig gehört. Immer mehr dieser medialen Nischen-Produkte schaffen inzwischen den Aufstieg ins Hauptprogramm professioneller Hörfunkstationen. So lässt Deutschlandradio Kultur über blogspiel. de im Internet die besten Podcasts von Online-Nutzern bewerten und präsentiert sie regelmäßig auch im Radioprogramm. 

PC als bevorzugtes Abspielgerät 

Das Berliner Unternehmen House of Research stellte Ende Januar erste Ergebnisse einer Studie vor, wonach 82 Prozent der Podcast-Hörer die Sendungen nicht mit Hilfe portabler Endgeräte hören, sondern über einen PC. Etwa vierzig Prozent der genutzten Angebote stammen von privaten Castern. Danach folgen Inhalte von Radiostationen mit 22 und Ausschnitte aus Fernsehprogrammen mit 12 Prozent. Für endgültige Kommunikationsmodelle aber ist es noch zu früh – und das macht beim Podcasting den großen Reiz aus. 

Dr. Matthias Kurp

20.03.2007 | Beitrag erstellt von redaktion in digital
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Tags: internet, podcast, socialmedia Views: 1198

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